#62 Das Seelenpferd: Schicksal oder Projektion? (Teil 2)

Shownotes

Teil 1 zum Thema Schicksal

Die erwähnten Studien Gander, F.; Uhlich, M.; Traut, A. C.; Saameli, M. A.; Bühler, J. L.; Weidmann, R.; Grob, A. (2024). The role of relationship beliefs in predicting levels and changes of relationship satisfaction. European Journal of Personality. 39(1).

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Transkript anzeigen

00:00:00: Das ist, glaube ich, auch, dass einfach die Umstände sehr mit reinspielen.

00:00:03: Und deswegen glaube ich auch, viele so einem Herzenspferd oder Seelenpferd

00:00:06: oder wie auch immer hinterhertrauern.

00:00:09: Da wird man sich ja auch vieles in den Gedanken irgendwie romantisieren,

00:00:12: was vielleicht gar nicht so war.

00:00:13: Oder man erinnert sich nur an die schönen Sachen und gar nicht so viel

00:00:16: an das, was so schwierig war.

00:00:22: Psycholohü, der Podcast über Pferde und Psychologie.

00:00:26: Wir sind Carina Warnstädt, Psychologin und Begleitung für Menschen mit

00:00:29: chronisch kranken Pferden,

00:00:30: und Lea Schneider, Virtuelle Assistenz für Selbstständige in der Pferdebranche

00:00:34: und Pferdeverhaltenstrainerin.

00:00:36: Wir nehmen dich mit in unsere Gedanken zu verschiedenen Themen aus dem Bereich

00:00:39: Pferd-Mensch-Beziehung und entspannende Interviews zu den Themen

00:00:42: Pferde und Psychologie.

00:00:47: Hallo und herzlich willkommen zu dieser Folge von Psycholohü.

00:00:51: Bevor es losgeht mit unserem heutigen Thema.

00:00:54: Ein kleiner Einschub vorab: Diese Folge ist Teil einer Doppelfolge.

00:00:59: Das heißt, wenn du die letzte Folge Nummer 61 zum Thema Schicksal noch nicht gehört

00:01:04: hast, empfehlen wir dir sehr, damit zu starten und dann mit dieser

00:01:08: Folge weiterzumachen.

00:01:09: Deswegen starten wir hier direkt rein ins Gespräch.

00:01:13: Und ich glaube, das ist der Punkt, wo wir auch zu dem Thema Seelenpferd kommen.

00:01:17: Wenn wir mal von diesem ganz extremen Glauben weggehen, zu sagen

00:01:21: Egal was ich entscheide, ich komme immer irgendwann zu dem Punkt,

00:01:26: wo ich dieses eine Pferd treffe, weil ich das jetzt in dem Moment vielleicht

00:01:29: auch wieder gebraucht habe.

00:01:31: Ich glaube, das ist das, was viele eher damit meinen, wobei ich auch

00:01:35: sagen muss, ich glaube, dass sich ganz viele gar nicht so sehr damit

00:01:38: auseinandersetzen, sondern das halt irgendwo eher eine

00:01:42: Gefühlssache ist zu sagen: Ich habe das Gefühl, dass da diese besondere Verbindung

00:01:46: ist und deswegen ist das mein Seelenpferd, ohne jetzt da

00:01:49: wirklich tiefer sich Gedanken zu machen, was würde das denn bedeuten.

00:01:53: Ja, ich meine, auch da kann man ja jetzt noch ein Riesenfass aufmachen, wenn du

00:01:56: sagst, das musste getroffen, also ich musste dieses Pferd jetzt treffen,

00:02:01: kann man ja noch von Themen bis Reinkarnation und sonst wie weit gehen.

00:02:06: Ich glaube, das können wir jetzt auch hier mal ausklammern.

00:02:08: Ja gut.

00:02:09: Könnte ja noch da auch mit reinspielen, aber das würde

00:02:12: mich jetzt tatsächlich interessieren, wenn du hast ja auch

00:02:15: grundsätzlich auf Beziehungen, auch wenn es zwischenmenschliche sind, angeguckt.

00:02:20: Wie viel Verbindung da vielleicht auch von Anfang an da war, wie jetzt zum Beispiel

00:02:26: in deinem Beispiel mit dem Pferd, das sich dich ausgesucht hat, in ganz großen

00:02:31: Anführungsstrichen, ist einfach erstmal nur zu dir gekommen.

00:02:34: Und wie viel Verbindung auch einfach entsteht durch die

00:02:38: Zeit und die Mühe, die wir in diese Beziehung investieren.

00:02:42: Ob das jetzt ein Mensch oder ein Pferd ist, ist da glaube ich völlig egal.

00:02:47: Richtig.

00:02:47: Das ist tatsächlich auch das, was man in Studien untersucht hat.

00:02:50: Also wie wirkt sich dieser Schicksalsglauben auf Beziehungen aus?

00:02:54: Ich muss sagen, ich fand das relativ

00:02:58: erwartbar, was dabei rausgekommen ist, was ja nichts Schlechtes sein muss.

00:03:03: Ich habe jetzt gerade überlegt, ob ich dich fragen soll, was du denkst,

00:03:05: aber das ist ein bisschen gemein.

00:03:07: Deswegen mache ich es einfach kurz und erzähle es selber.

00:03:12: Zum einen hat man immer wieder gefunden, dass Menschen, die an dieses Schicksal

00:03:16: glauben, also Schicksal jetzt hier in dem Sinne, dass es einen

00:03:20: auch da Seelenpartner gibt, die eine Person, die seelenverwandt ist,

00:03:24: also unter Menschen, dass diese Personen, die das glauben,

00:03:30: häufiger all in sind, quasi in der Beziehung direkt von Anfang an.

00:03:34: Also die Gefühle sind in romantischen Beziehungen dann direkt sehr stark.

00:03:40: Aber auf der anderen Seite kommen eben auch sehr schnell Zweifel auf.

00:03:45: Das heißt, sobald was nicht so läuft, wie sich die Person das vielleicht vorstellt,

00:03:51: kann es eben passieren, oder statistisch gesehen so,

00:03:54: dass sich diese Menschen auch schneller wieder trennen, weil das ja nicht mehr in

00:03:58: das Konzept des Seelenpartners reinpasst.

00:04:01: Und gegenüber steht dann eben das Growth Mindset quasi.

00:04:07: Also das eine ist der Destiny Belief und das andere ist der Growth Belief, also

00:04:13: Wachstumsglaube gegen Schicksalsglaube, wenn man es sozusagen übersetzen möchte.

00:04:19: Dieser Wachstumsglaube ist eben das, was du gerade auch beschrieben hast, dass man

00:04:24: ja auch an Beziehungen arbeiten muss, egal ob jetzt Mensch oder Pferd.

00:04:28: Wie gesagt, die Studien waren auf Menschen bezogen.

00:04:31: Wer das glaubt, trennt sich eben weniger schnell, ist aber vielleicht auch nicht so

00:04:35: schnell in eine Beziehung investiert wie eben Personen, die an diesen

00:04:40: Schicksalsglauben, glauben, ja, an diesem Schicksalsglauben verhaften.

00:04:44: Und eigentlich finde ich, macht es total Sinn.

00:04:47: Ja, einerseits schon.

00:04:49: Andererseits könnte man auch argumentieren,

00:04:53: dass man erst recht an einer Beziehung festhält, weil man so sehr glaubt, dass

00:04:58: man zusammengehört, auf jeden Fall, um jeden Preis.

00:05:02: Dass man wiederum den Absprung nicht schafft.

00:05:05: Egal wie gut diese Beziehung, in welcher Art auch immer, es kann ja auch eine

00:05:09: freundschaftliche Beziehung sein, das ist ja völlig egal.

00:05:12: Ja, egal wie gut die ist oder eben nicht.

00:05:16: Auch das habe ich tatsächlich, da muss ich jetzt lügen, um das wirklich

00:05:20: genau zu sagen, aber ich habe es auf jeden Fall auch gelesen in einer Studie.

00:05:22: Die fand ich aber nicht so gut.

00:05:23: Deswegen habe ich mir da nichts dazu rausgesucht.

00:05:26: Aber ich kann es gerne noch mal für die Nachbereitung nochmal raussuchen, dass

00:05:30: wir es trotzdem nochmal verlinken.

00:05:31: Vielleicht finde ich da auch nochmal eine andere.

00:05:34: Tatsächlich scheint es das wohl auch zu geben.

00:05:38: Ich meine, es macht ja auch Sinn, dass Menschen da durchaus

00:05:42: dann so drin verhaftet sind.

00:05:44: Ich würde aber persönlich behaupten, ohne jetzt da Quellen zu haben,

00:05:48: dass das wahrscheinlich eher der Fall ist, wenn schon eine gewisse

00:05:52: Beziehung trotzdem auch schon Wenn wir vom Anfang einer Beziehung

00:05:57: sprechen, halte ich das, was ich gerade dargestellt habe, für eher wahrscheinlich,

00:06:02: dass dann schneller auch das Handtuch geworfen wird, wenn man das Gefühl hat:

00:06:07: Ach nee, ist doch nicht der Seelenverwandte sozusagen.

00:06:11: Wenn man aber länger daran glaubt, dass es ein Seelenverwandter ist, dass man

00:06:14: dann eben auch schwerer davon loskommt.

00:06:16: Das ist ja etwas, was wir generell als Menschen häufig haben.

00:06:20: Also je mehr wir in etwas investiert haben, desto weniger wollen wir das auch

00:06:25: verändern oder desto weniger sind wir auch bereit, uns

00:06:28: einzugestehen, dass das vielleicht der falsche Weg war.

00:06:31: Das ist jetzt nicht nur auf Beziehungen bezogen, auch auf jede Art von Glauben

00:06:36: oder ganz einfach gesagt: Wenn ich einen Handyvertrag habe und da jeden Monat Geld

00:06:44: für zahle und dann nach 2 Jahren feststelle: Ach Mann, es gab eigentlich

00:06:49: von Anfang an eine viel bessere Variante, dann werde ich mir trotzdem das irgendwo

00:06:53: versuchen schönzureden unbewusst oder auch Schwierigkeiten haben, dann zu wechseln,

00:06:58: weil ich einfach schon so viel investiert habe.

00:07:00: Also ich glaube, das sind dann nochmal zwei verschiedene Punkte beziehungsweise

00:07:03: nochmal ein anderes Phänomen, was da mit reinspielt bei dem, was

00:07:07: du dargestellt hast.

00:07:09: Ja, das, was du jetzt gerade angerissen hast, ist ja quasi die Sunk-Cost-Fallacy.

00:07:14: Wer da sich genauer reinlesen möchte, kann da, glaube ich, unter dem

00:07:19: Begriff recht viel noch finden.

00:07:20: Ja, definitiv.

00:07:21: Ich glaube, da machen wir noch einen Riesenpass auf, wenn wir da jetzt gehen.

00:07:24: Deswegen habe ich den Begriff jetzt gar nicht genannt, aber es war gut,

00:07:26: dass du ihn nochmal gesagt hast.

00:07:28: Dann kann man nochmal selber nachschauen, wenn man das möchte.

00:07:32: Was mich aber tatsächlich interessieren würde— wahrscheinlich

00:07:36: wahnsinnig schwer, das irgendwie wissenschaftlich zu untersuchen—

00:07:40: ob es irgendwas dazu gibt, dass man die Beziehung bereits auf einem

00:07:44: anderen Niveau, sage ich mal, startet.

00:07:46: Ich meine, ich denke, das kennt wahrscheinlich jeder Mensch, egal ob das

00:07:49: jetzt ein ob Tieren, Mensch, freundschaftlicher Ebene, auf

00:07:53: partnerschaftlicher Ebene, ist total egal.

00:07:55: Aber dass man Menschen begegnet, mit denen man von Anfang an einfach mehr

00:08:01: auf einer Wellenlänge ist als mit anderen.

00:08:04: Also ich denke da sowohl an Pferde.

00:08:06: Also ich weiß, dass ich damals, als ich eine Reitbeteiligung gesucht habe,

00:08:10: zum Beispiel ein Pferd auch geritten bin.

00:08:12: Mit dem kam ich auch total gut klar.

00:08:14: Aber ich habe einfach nicht gefühlt, dass das mein Pferd ist und mich dann dagegen

00:08:18: entschieden, obwohl rational alles gepasst hat und ich auch gut mit dem klarkam, wie

00:08:22: gesagt, und habe dann tatsächlich Julius gefunden.

00:08:25: Und ich glaube, mit dem kam ich am Anfang gar nicht so gut klar,

00:08:29: das war alles ein bisschen schwieriger, und trotzdem hatte ich viel mehr das

00:08:32: Gefühl, okay, das ist aber das passende Pferd für mich.

00:08:36: Und ich glaube, auf freundschaftlicher Ebene oder auf partnerschaftlicher Ebene,

00:08:39: beim Dating oder wie auch immer, kennt das wahrscheinlich auch die meisten,

00:08:42: dass man manchmal Menschen trifft, mit denen man viel schneller eine viel engere

00:08:46: Bindung entwickelt oder sich direkt von Anfang an wohlfühlt, ohne sie zu kennen?

00:08:51: Aber das ist wahrscheinlich sehr, sehr schwierig zu untersuchen, schätze ich.

00:08:54: Ja, also da wüsste ich tatsächlich im Moment nicht, wie man

00:08:57: das untersuchen will.

00:08:59: Habe ich auch nicht nachgeschaut, muss ich ehrlicherweise sagen.

00:09:02: Was mir dazu nur gerade spontan einfällt, was von diesem Schicksalsgedanken jetzt

00:09:05: mal gerade weggeht, aber was man natürlich häufiger sieht, wobei das jetzt auch eher

00:09:12: anekdotische Evidenz ist, als dass ich dazu tatsächlich Studien kenne.

00:09:16: Aber es gibt ja diese Unterscheidung Neurodivergent, Neurotypisch,

00:09:20: neurodivergent wäre ja unter anderem ADHS, Autismus,

00:09:24: wo wir auch schon Folgen zu gemacht haben— dass neurodivergente Menschen

00:09:29: untereinander halt häufiger miteinander klicken und neurotypische Menschen

00:09:33: miteinander eher, was einfach daran liegt vermutlich, dass gewisse Denkmuster

00:09:39: sozusagen unterschiedlich sind.

00:09:40: Also wenn der ADHSler eher von Thema zu Thema springt, dann sagt der Neurotypische

00:09:44: vielleicht: Um Gottes Willen, wie kommt er jetzt darauf?

00:09:46: Und der andere ADHSler geht da halt unproblematisch mit.

00:09:49: Also ich glaube, dass vieles auch da in solchen Kategorien vielleicht erklärbar

00:09:56: ist, aber da habe ich keine Studiengrundlage zu.

00:10:00: Unabhängig davon, ob wir da jetzt die Faktenlage zu haben, vielleicht fällt uns

00:10:04: ja noch— also hast du noch eine andere Begründung außer

00:10:07: jetzt zum Thema Neurodivergenz vielleicht dazu, warum das vielleicht mit manchen

00:10:12: Menschen einfacher ist als mit anderen?

00:10:14: Ich meine, es gibt natürlich einfach Menschen, die haben ähnlichere

00:10:17: Interessensgebiete als du. Das macht auch Sinn.

00:10:20: Ähnliche Interessensgebiete und natürlich auch das Thema Offenheit.

00:10:24: Also wie offen ist eine Person auch?

00:10:26: Wie sehr geht sie auf dich ein?

00:10:28: Menschen, die aktiv zuhören, sind Menschen, bei denen wir uns

00:10:32: schneller öffnen zum Beispiel.

00:10:34: Also auch jetzt nicht— habe ich auch keine Studie zu.

00:10:37: Aber da gibt es— ich zitiere sehr oft Timon Krause hier in dem Podcast, fällt

00:10:41: mir gerade auf, aber an der Stelle muss ich ihn trotzdem gerade nochmal zitieren.

00:10:45: Er sagt immer: „Be interested, not interesting", also „Sei interessiert

00:10:53: anstatt interessant zu sein".

00:10:54: Das ist, glaube ich, der Faktor, den ich auch sehr oft— jetzt auch wieder

00:10:58: anekdotische evidenz selber— wahrnehme.

00:11:01: Personen, die offen sind zuzuhören, sind die, die oft eher bei anderen das

00:11:09: Gefühl auslösen, dass man auf einer Wellenlänge ist.

00:11:13: Auch da jetzt vielleicht nochmal kurz persönlicher Einschub: Ich erlebe das

00:11:17: tatsächlich relativ oft witzigerweise in der Klinik, in der ich arbeite,

00:11:23: wo ich oftmals in Gesprächssituationen bin, in denen ich gar nicht viel zum

00:11:27: Gespräch beitrage außer Fragen zu stellen.

00:11:30: Das ist aber in einem Beratungskontext auch durchaus normal.

00:11:33: Aber es ist spannend, wie oft Menschen Annahmen über mich treffen

00:11:37: und mir sagen, dass wir ja ähnliche Einstellungen haben oder Ähnliches, obwohl

00:11:41: ich meine Einstellung nie geäußert habe.

00:11:43: Das ist, glaube ich, dieser Kernpunkt von dem „Be interested, not interesting",

00:11:48: weil in dem Moment habe ich gar nichts von mir irgendwo in das Gespräch reingegeben.

00:11:54: Ich habe aber eine Art von Präsentationsfläche geschaffen, wo die

00:12:00: Menschen natürlich auch was reinprojizieren können von sich, wo sie

00:12:04: sagen können: Ah, da hört jemand aktiv zu.

00:12:08: Dann muss sie dem ja zustimmen.

00:12:10: Ich glaube, dass das oft ein Faktor ist, dieses aktive Zuhören, dieses Offensein

00:12:14: für andere, Interessieren sein, was auch ganz viel davon ausmacht,

00:12:20: wie wohl wir uns mit einer Person fühlen.

00:12:21: Das war jetzt relativ lang erklärt, um auf den Punkt zu kommen, aber ich hoffe, man

00:12:24: versteht es so vielleicht auch besser.

00:12:27: Ja, ich glaube, so praktische Beispiele sind oft leichter,

00:12:31: um diesen Gedanken zu folgen.

00:12:34: Und wenn wir jetzt aufs Pferd schauen, warum fühlen wir uns mit manchen

00:12:36: Pferden wohler als mit anderen?

00:12:39: Ich glaube, das ist auch eher ein Charakterding, also ähnlich

00:12:41: auch mit der Offenheit.

00:12:43: Es gibt ja auch bei den Pferden, also ich erlebe Pferde auch als

00:12:48: unterschiedlich introvertiert bzw.

00:12:50: extrovertiert und ich habe oft das Gefühl, im pferdegestützten Coaching,

00:12:56: dass sich da häufig die Menschen und Pferde suchen,

00:13:01: die da sehr zueinander passen.

00:13:02: Manchmal ist es auch komplementär, dass ich eine Person habe, die

00:13:06: selbst sehr introvertiert ist und dann mit dem extrovertierten Pferd

00:13:09: total gut klarkommt.

00:13:10: Aber oftmals sind es— für mich, also auch wieder in meiner Wahrnehmung—

00:13:13: eher die, die da ähnlich ticken.

00:13:17: Also ein Pferd, das sehr offen ist, sehr auf den Menschen zugeht,

00:13:21: ist dann manchmal für sehr introvertierte Personen eher zu viel.

00:13:25: Also ich sehe da ganz, ganz oft, dass Menschen auch da viel von sich

00:13:29: reinprojizieren und dann mir sagen: Ah, das Pferd ist in dem Punkt ähnlich wie ich

00:13:33: oder in dem Punkt ähnlich oder hat sich deswegen so verhalten.

00:13:36: Ob das dann immer stimmt oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt, aber das ist Auch

00:13:39: wieder das, was ich wahrnehme, auch keine Studiengrundlage.

00:13:44: Ja, das ist ganz spannend, weil ich habe gerade überlegt, also

00:13:48: auf mich persönlich, weil ich hätte im ersten Impuls gesagt, ich

00:13:51: suche eher gegensätzlich Pferde.

00:13:53: Als introvertierter Mensch habe ich immer eher extrovertiertere Pferde,

00:13:57: mit denen ich mich wohlfühle.

00:13:58: Und dann habe ich überlegt, nee, beim Pferd bin ich aber ganz

00:14:02: anders als unter Menschen.

00:14:03: Beim Pferd bin ich viel unternehmungslustiger und selber viel

00:14:06: offener und mehr auf Abenteuer, sage ich jetzt mal,

00:14:10: aus und auf Action, als jetzt ich unter Menschen wäre.

00:14:16: Wobei auch das, ich bin ja auch so viel unterwegs und so weiter.

00:14:18: Ich habe ja immer Lust, neue Dinge zu machen und irgendwie was zu machen.

00:14:24: Das ist, glaube ich, der Kern im Ganzen und nicht nur in die Ruhe zu finden.

00:14:28: Also irgendwie sind da beide Welten drin.

00:14:32: Ja, ja, ich verstehe, was du denkst.

00:14:35: Gleichzeitig Meine Perspektive, also ich habe jetzt natürlich irgendwie zwei

00:14:39: Pferde, von denen ich weiß, dass du da eine sehr enge Bindung zu hast, hattest,

00:14:44: Butterblume und Julius.

00:14:46: Habe ich beide als sehr ruhige Pferde erlebt.

00:14:50: Tatsächlich.

00:14:51: Ja, weil du Julius erst kennengelernt hast, als diese Ruhe da war.

00:14:56: Ja, okay.

00:14:56: Der war zu Beginn, also das hat viel, viel Zeit gebraucht, die Ruhe zu finden.

00:15:01: Und ich glaube, das täuscht auch schnell bei ihm.

00:15:04: Weil der hat eigentlich trotzdem immer Lust, was zu machen und was zu erleben.

00:15:08: Ja, aber also ich merke zum Beispiel den Unterschied, wenn ich jetzt irgendwie mit

00:15:11: dem spazieren gehe, dann ist er auch super gelangweilt

00:15:14: und latscht dann nur neben mir her.

00:15:16: Wenn wir jetzt ausreiten gehen und der weiß, er kann wirklich laufen,

00:15:20: ist er wieder ein ganz anderes Pferd, weil der eben auch Lust hat zu laufen.

00:15:26: Ja, das stimmt.

00:15:28: Aber also du hast auch recht, ich kenne ihn ja bei Weitem nicht so lange wie du

00:15:31: und ich weiß, dass da auch eine längere Geschichte war, auch viel

00:15:36: Entwicklung passiert ist.

00:15:38: Nichtsdestotrotz erlebe ich ihn schon eher als ein Pferd, was jetzt nicht auf jeden

00:15:43: Menschen zugeht und da Kontakt sucht.

00:15:46: Oder bin ich da jetzt so völlig falsch? Doch, das eigentlich schon.

00:15:49: Also der ist eigentlich immer freundlich.

00:15:53: Freundlich auf jeden Fall.

00:15:54: Nee, genau das meine ich damit auch gar nicht.

00:15:56: Vielleicht auch noch mal zur Erklärung.

00:15:58: Ich meine, du kennst ja auch meine Pferde so ein bisschen.

00:16:01: Thrista ist das Pferd, was hier— okay, Pepper auch, aber Thrista ist das Pferd,

00:16:05: was ich immer als Beispiel nehme, was extrem offen ist.

00:16:07: Die kommt schon auf einen zu und hat eine totale Präsenz.

00:16:10: Die hat auch etwas höheren Muskeltonus, würde ich sagen, ist immer eher ein

00:16:14: bisschen aufgerichteter und kommt wirklich zu jedem Menschen, sagt

00:16:18: zu jedem Menschen erst mal Hallo, guckt, ob der irgendwas mit ihr machen will.

00:16:22: Sie liebt es einfach, im Mittelpunkt zu stehen, würde ich mal so sagen.

00:16:26: Und Haukur ist auch super freundlich.

00:16:29: Aber der ist immer das Pferd, was eher so in zweiter Reihe steht, was erstmal so ein

00:16:32: bisschen auftauen muss, würde ich sagen.

00:16:34: Und da würde ich Julius persönlich in eine ähnliche Kategorie sehen, eher wie Haukur.

00:16:41: Ah, ich glaube, das ist also grundsätzlich dem Menschen gegenüber ist der auch super

00:16:45: offen, gerne auch im Kontakt, aber Julius ist halt extrem rangniedrig

00:16:52: unter den anderen Pferden, und ich glaube, das ist dann eher so ein Wenn es ihm zu

00:16:56: eng werden könnte, dann hält er sich lieber auch dem Menschen gegenüber zurück

00:16:59: und hält sich raus aufgrund der anderen Pferde, aber weniger aufgrund der

00:17:03: Menschen, würde ich jetzt so meinen.

00:17:06: Also auch nicht immer, gibt auch Tage, da steht er auf der Wiese und hat überhaupt

00:17:09: keine Lust, sich das nur anzugucken.

00:17:12: Das gibt es auch, aber so ganz grundsätzlich ist er eigentlich schon

00:17:15: immer interessiert an allem.

00:17:19: Ja, ist Haukur auch, aber anders als die anderen.

00:17:23: Naja, ist auch egal, kann sowieso kein anderer was mit anfangen, weil

00:17:26: ihr alle die Pferde nicht kennt.

00:17:29: Aber ist auf jeden Fall spannend, sich das mal zu fragen, ne?

00:17:32: Also mit welchen Pferden komme ich denn gut klar?

00:17:34: Was sind denn da vielleicht auch ähnliche Charakterzüge?

00:17:37: Gibt es die ähnlichen Charakterzüge oder ist das jetzt einfach nur meine

00:17:40: Theorie und die ist falsch?

00:17:41: Das kann ja durchaus sein, ne?

00:17:42: Also ich kann zum Beispiel sagen, dass ich das bei mir persönlich auch ganz, ganz,

00:17:46: also eigentlich bei uns beiden, wenn ich dran und so 15 Jahre zurückdenke in unsere

00:17:51: Reitschule, da warst du die die mit den eher hektischen und nervösen

00:17:55: Pferden und ich die mit den eher trägen.

00:17:58: Und ich glaube, heute wäre das genau andersrum.

00:18:00: Ja, heute würdest du dich mit einem sehr ruhigen viel, viel wohler fühlen und mir

00:18:04: wäre das wahrscheinlich viel zu langweilig und ich brauche was mit ein

00:18:07: bisschen eigener Energie.

00:18:08: Ja, um das jetzt so ganz in die Extreme zu ziehen.

00:18:11: Ja, genau, nee, sehe ich auch.

00:18:12: Hat sich ja sehr, sehr verändert.

00:18:13: Auch das finde ich gerade das Beispiel bei uns beiden ganz passend, weil das

00:18:18: genau sich geswitcht hat tatsächlich.

00:18:20: Ja, habe ich auch eben drüber nachgedacht.

00:18:22: Bei mir waren es früher wirklich die sehr nervösen Pferde, mit denen ich immer

00:18:28: einen sehr guten Kontakt hatte.

00:18:31: Aber das geht jetzt wahrscheinlich wieder zu weit, aber tatsächlich, ich würde

00:18:36: sagen, das hat auch damit zu tun, dass es jetzt eben meine eigenen Pferde sind.

00:18:40: Das macht für mich einen Riesenunterschied.

00:18:43: Ich habe auch jetzt noch mal Spaß daran, mal ein feurigeres Pferd

00:18:46: irgendwo zu reiten.

00:18:46: Nicht auszureiten, das Thema hatten wir ja schon ein paar Mal, dass das für mich

00:18:50: immer noch ein Angstthema sein kann.

00:18:53: Aber so grundsätzlich mal ein feurigeres Pferd irgendwie auf dem Platz oder so zu

00:18:57: reiten, da habe ich schon auch Spaß dran, aber halt mal

00:19:02: nicht als mein eigenes Pferd, mit dem ich ständig in Kontakt bin, mit

00:19:05: dem ich alles quasi mache.

00:19:07: Das macht mich dann eher mittlerweile eher nervös.

00:19:09: Und ich glaube aber, das ist der Unterschied bei mir.

00:19:12: Also ich weiß nicht, ob es sich auch so krass gewandelt hätte, wenn ich immer noch

00:19:18: Reitbeteiligung hätte oder im Reitunterricht reiten würde.

00:19:20: Also ich weiß nicht, ob du das nachvollziehen

00:19:23: kannst, aber das spielt halt auch eine Rolle, finde ich.

00:19:27: Ja, auf jeden Fall.

00:19:30: Wenn wir jetzt zurück den Bogen zum eigentlichen Thema— wir sind

00:19:34: ja ein bisschen abgebogen.

00:19:36: Wir sind ein bisschen abgebogen, aber ich glaube, die Grundsatzfrage war ja, und die

00:19:39: knüpft vielleicht auch daran an, gibt es denn überhaupt dieses Seelenpferd

00:19:44: und was bedeutet das denn für uns, wenn wir an dieses eine Seelenpferd glauben.

00:19:49: Und wir haben ja eben gehört, es gibt zumindest Untersuchungen dazu,

00:19:54: dass Menschen, die an eine Seelenverwandtschaft glauben,

00:19:57: vielleicht auch schneller Beziehungen wieder beenden,

00:20:01: wenn etwas nicht funktioniert.

00:20:03: Jetzt könnte man ja annehmen, dass das vielleicht auch so ist, wenn man an ein

00:20:09: einziges Seelenpferd glaubt.

00:20:11: Jetzt ist natürlich erst mal die Frage: Glaubt man nur daran, dass es nur eins

00:20:13: gibt, ein besonderes im Leben, oder kann es mehrere geben?

00:20:19: Aber grundsätzlich bleibt ja die Frage, wenn ich da an

00:20:22: diese Seelenverbindung glaube, neige ich dann vielleicht auch eher dazu,

00:20:27: schneller aufzugeben?

00:20:29: Und ist das was Schlechtes zwangsläufig oder kann das auch was Gutes sein?

00:20:36: Wüsste ich jetzt tatsächlich am Pferd kein Beispiel zu.

00:20:41: Mein Eindruck wäre eher, dass Leute auf Krampf auf jeden Fall das

00:20:44: Pferd selber versorgen müssen.

00:20:47: Da kommt vielleicht auch dieser klassische Gedanke: Bei keinem hat es

00:20:49: so gut wie bei mir hoch.

00:20:52: Also mein Gedanke wäre eher die Sorge, ich kann es doch nicht jetzt abgeben.

00:20:58: Oder auch vielleicht Angst vor der Verurteilung.

00:21:00: Jetzt ist es alt und „unbrauchbar“ und jetzt gebe ich es ab.

00:21:03: Dass solche Gedanken kommen.

00:21:05: Also da wäre jetzt eher von dem, was ich so mitbekomme, meine Wahrnehmung genau

00:21:10: andersrum, dass man ein Seelenpferd auf gar keinen Fall auch nur abgeben darf.

00:21:17: Genau, das ist aber dann wieder die Frage, ab welchem Punkt ist es ein Seelenpferd?

00:21:21: Also wenn ich erst mal sage, das ist mein Seelenpferd, dann glaube ich auch,

00:21:24: dass ich es nicht abgeben würde.

00:21:26: Also nicht ich, sondern dass der Mensch das nicht abgeben würde.

00:21:30: Aber man kann es ja auch andersrum drehen.

00:21:33: Man kann ja auch sagen, ich glaube daran, dass es ein Seelenpferd gibt.

00:21:37: Ich habe gehofft, dass ich das jetzt hier gefunden habe und es hat sich nach einem

00:21:40: halben Jahr herausgestellt, Das ist doch nicht das Seelenpferd, wie

00:21:43: ich mir das vorgestellt habe, weil es ist jetzt ganz anders, wo es in einem anderen

00:21:45: Stall, in einer anderen Herde und in einer anderen Haltungsform ist.

00:21:49: Und das heißt dann im Umkehrschluss, dass es ja doch nicht mein Seelenpferd ist.

00:21:52: Und dann muss ich jetzt nach einem anderen Pferd suchen,

00:21:55: was dann wirklich mein Seelenpferd ist.

00:21:58: Und ich würde schon sagen, dass es das gibt.

00:22:03: Also ich glaube nicht, dass das Standard ist, dass man das häufig

00:22:07: sieht, aber ich kann mich durchaus an einzelne Fälle erinnern, wo ich sagen

00:22:12: würde, dass das eine große Rolle dabei gespielt hat und

00:22:16: dass das auch eher— nochmal anekdotische Evidenz—

00:22:21: eher Menschen waren, die sehr Hals über Kopf so eine Entscheidung

00:22:25: getroffen haben, die dann irgendwo hingefahren sind, gesagt haben „Oh

00:22:29: mein Gott, das ist so ein tolles Pferd. Das muss ich jetzt sofort kaufen.

00:22:32: Das wird mein Seelenpferd" und dann das Ganze aber nicht rational abgewägt

00:22:36: haben und dann irgendwann feststellen mussten: Ach nee, ist doch nicht

00:22:39: so, wie ich es mir gedacht habe.

00:22:40: Dann suche ich mir jetzt ein anderes Pferd.

00:22:42: Also ich glaube schon, dass es das gibt.

00:22:47: Bestimmt.

00:22:48: Also ich kenne tatsächlich da jetzt keinen Fall oder mir fällt zumindest keiner ein.

00:22:53: Wenn Menschen ihr Pferd wieder abgegeben haben, dann waren die auch vorher von

00:22:56: Anfang an so rational zu sagen: Wir probieren das jetzt, wir lernen uns jetzt

00:23:00: erst mal richtig kennen und entweder es funktioniert oder man findet

00:23:03: halt wieder eine andere Lösung.

00:23:06: Aber aus meinem Gefühl wäre es eher tatsächlich dieses

00:23:11: nicht loslassen können, auch wenn vielleicht sogar im bestehenden Stall

00:23:16: Menschen sind, die sich noch viel besser mit dem Pferd auseinandersetzen, noch

00:23:21: genauso enge Bindung haben, dass man es nicht mal schafft, die an

00:23:24: diese abzugeben, obwohl man selber vielleicht gar nicht mehr zum Stall kommt.

00:23:29: Ja, das wäre dann natürlich das Extrem, das stimmt.

00:23:34: Ja, ich glaube, es gibt schon durchaus beide Varianten, und ich glaube,

00:23:38: man kann natürlich jetzt beidem irgendwo kritisch gegenüberstehen.

00:23:43: Aber was mir auch wichtig ist, noch mal zu sagen, was wir nicht vergessen dürfen,

00:23:48: ist, dass diese Idee von dem Seelenpferd genauso wie die Idee von der

00:23:52: Seelenverwandtschaft bei Menschen ja auch überall irgendwo propagiert wird,

00:23:59: und Überall ist vielleicht jetzt auch übertrieben, aber wenn wir uns die

00:24:03: klassischen Medien angucken, mit denen wir auch aufgewachsen sind beispielsweise,

00:24:07: wenn wir uns ganz viele Filme angucken, wenn wir uns Serien angucken,

00:24:11: die sich um Pferde drehen, dann ist das ein Riesending,

00:24:15: dass es da diese ganz besondere Verbindung gibt, wie auch immer

00:24:18: die dann aussehen mag.

00:24:20: Ich glaube, dass es auch nicht zu unterschätzen ist, wie

00:24:22: stark uns das beeinflusst.

00:24:24: Ja, das bestimmt.

00:24:26: Auch Bücher und so weiter.

00:24:28: Was haben wir denn in unserer Kindheit alles an Büchern gelesen, wo irgendwie

00:24:32: immer dieses eine besondere Pferd dabei war?

00:24:35: Ja, genau.

00:24:36: Das finde ich nochmal wichtig, weil wie gesagt, das, was ich jetzt eben

00:24:40: dargestellt habe, kann ja irgendwie durchaus negativ gesehen werden.

00:24:44: Aber was ich eingangs auch schon sagte: Ich glaube, dass sich viele gar nicht

00:24:48: tiefergehend mit dem Thema beschäftigen, sondern das ist halt was, mit

00:24:53: dem man irgendwie aufwächst. Das wird überall reproduziert.

00:24:56: Man liest es auf Social Media, man bekommt es gesagt.

00:25:00: Damit entsteht ja so eine Erwartungshaltung

00:25:03: an das Pferd, was nicht unbedingt immer gut sein muss, aber auch an einen selber.

00:25:06: Das, was du sagst, man darf das Pferd dann nicht abgeben oder so.

00:25:09: Ich glaube, dass das oftmals weniger mit diesem Schicksalsglauben zu tun hat

00:25:14: als mehr mit der Art, wie wir aufgewachsen sind, wie wir sozialisiert wurden

00:25:22: und dass man da vielleicht auch nochmal durchaus unterscheiden muss.

00:25:24: Ich glaube, dass nicht jeder, der an dieses Seelenpferd glaubt, auch wirklich

00:25:28: an Schicksal glaubt, Ja, ist vielleicht auch eine Frage der

00:25:32: eigenen Glaubenssätze an der Stelle auch tatsächlich.

00:25:36: Ja, aber wir haben bei Schicksal, haben wir das vorhin so schön abgefragt.

00:25:41: Wie stehst du denn zum Thema Seelenpferd?

00:25:43: Hast du vielleicht sogar ein Seelenpferd oder kannst du mit dem

00:25:48: Begriff auch nichts anfangen?

00:25:50: Oh Gott, ich muss mich hier als super rational outen, fürchte ich.

00:25:54: Wobei man das wahrscheinlich schon in anderen Folgen auch rausgehört hat.

00:25:57: Nee, ich habe auch kein Seelenpferd.

00:25:59: Also ich habe meine Pferde alle unheimlich gern, auch das eine Pferd, was ich mal

00:26:05: wieder verkauft habe nach einer Weile.

00:26:07: Selbst das hat noch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen,

00:26:13: aber da ist nicht eins, was irgendwie besonders hervorsticht oder wo ich jetzt

00:26:16: sagen würde, das ist dieses eine Seelenpferd.

00:26:19: Ich glaube auch nicht, dass das noch kommen wird, ehrlich gesagt.

00:26:21: Ich finde es schön, dass ich die alle auf ihre eigene Art

00:26:26: schätze und liebe und sie für mich einfach alle irgendwo gleich viel wert sind.

00:26:32: Ich glaube, das ist ja so ähnlich, wie wenn man Eltern fragt,

00:26:36: ob sie ein Lieblingskind haben.

00:26:37: Ich glaube, dass es da durchaus Unterschiede gibt, dass man jedes

00:26:42: Kind— weiß ich nicht, kann ich nicht viel zu sagen— aber auf jeden Fall jedes Tier

00:26:46: auf eine unterschiedliche Art liebt, aber dass das nicht unbedingt das

00:26:50: eine mehr oder weniger wert ist.

00:26:53: Deswegen würde ich sagen, es sind alles nicht meine Seelenpferde und ich glaube

00:26:56: auch nicht, dass ich ein Seelenpferd haben werde.

00:26:59: Das heißt aber auch im Umkehrschluss, auch mein erstes Pferd war für

00:27:03: mich nicht mein Seelenpferd.

00:27:05: Ich habe Elayne wirklich unfassbar geliebt und es fällt mir heute noch manchmal

00:27:11: schwer, dass sie nicht mehr da ist.

00:27:12: Es gibt immer noch die Momente, wo ich denke: Wie schön wäre es gewesen,

00:27:15: wenn ich das mit ihr erlebt hätte.

00:27:17: Aber ja, deswegen ist sie für mich nicht mehr wert als die anderen Pferde.

00:27:23: Ja, das war jetzt irgendwie die sehr rationale Erklärung dafür,

00:27:26: warum ich das nicht glaube. Aber wie ist es bei dir?

00:27:28: Hast du vielleicht eine andere Meinung zu?

00:27:31: Ja, das finde ich tatsächlich spannend.

00:27:32: Also dass man das Seelenpferd jetzt vielleicht nicht dein Ausdruck ist.

00:27:37: Ich glaube, das hat sich eh schon abgezeichnet.

00:27:40: Ich bin jetzt in dieser Folge.

00:27:42: Aber ich hätte tatsächlich auch gedacht, dass Elayne doch irgendwie noch

00:27:45: mal einen Sonderstatus hat.

00:27:47: Schon vielleicht allein dadurch, dass sie nicht mehr lebt.

00:27:50: Also ich glaube, allein das macht schon was mit einem,

00:27:53: dass es eine andere Bedeutung bekommt, auch im Nachhinein vielleicht sogar erst,

00:27:58: als einem dann in dem Moment noch mal bewusst war.

00:28:02: Also auch wieder rational betrachtet hat sie vielleicht eine andere Bedeutung in

00:28:05: der Hinsicht, dass ich extrem viel von ihr gelernt habe.

00:28:09: Von ihr, aber auch mit ihr.

00:28:12: Das auf jeden Fall.

00:28:13: Also sie hat halt meinen Umgang mit Pferden extrem geprägt,

00:28:17: aber auch irgendwo ja selbst meinen eigenen persönlichen wie

00:28:21: auch beruflichen Werdegang.

00:28:22: Also das auf jeden Fall.

00:28:24: Aber ja, ich weiß nicht, ob sie deswegen jetzt einen Sonderstatus irgendwo hat.

00:28:31: Also ich glaube, dass das erste Pferd natürlich für jeden irgendwo was

00:28:34: Besonderes ist, das definitiv.

00:28:37: Aber ich meine, man kann es jetzt halt mal runterbrechen.

00:28:39: Wenn du mir jetzt die Wahl lassen würdest in einer Extremsituation und sagen

00:28:43: würdest, hier sind alle Pferde, die du mal besessen hast.

00:28:45: Das klingt jetzt nach sehr viel.

00:28:46: Das sind die 3, die ich jetzt habe, plus Ramina, die ich abgegeben

00:28:49: habe, plus Elayne, also 5.

00:28:52: Und man würde mir sagen, egal ob das Pferd schon gestorben ist oder nicht, du kannst

00:28:58: ein Pferd bis an den Rest deines Lebens haben und die anderen dafür aber nicht.

00:29:04: Ich könnte dir das nicht beantworten.

00:29:05: Ich könnte dir jetzt nicht sagen, ich würde sofort auf jeden Fall zu diesem

00:29:08: einen Pferd gehen und die ehrliche Antwort darauf ist oder

00:29:12: beziehungsweise klare Antwort habe ich nicht, aber die ehrliche Reaktion darauf

00:29:16: wäre: Ich würde rational abwägen, was würde Sinn machen und das siehst

00:29:21: du daran, wie rational ich bin.

00:29:23: Elayne würde ich zum Beispiel allein deswegen nicht wählen, weil das hier gar

00:29:26: nicht möglich wäre für mich, weil Elayne einfach zu groß ist.

00:29:30: Ich könnte die hier nicht unterbringen.

00:29:31: Wir haben hier einen Stallabschnitt, der eine sehr niedrige Deckenhöhe hat.

00:29:35: Da sind die Isländer okay, aber höher, also größer sollte das

00:29:38: Pferd dann nicht sein.

00:29:39: Da würde es für mich dann schon schwierig werden.

00:29:42: Und dann gäbe es für mich die Abwägung: Mit welchem Pferd kann ich auch am

00:29:46: meisten anfangen, in Anführungszeichen?

00:29:48: Klingt jetzt blöd, aber was ich damit sagen will, ist: Das ist ja, glaube ich,

00:29:52: das, womit man— also dieses Gedankenspiel, das gibt es ja ganz häufig und damit

00:29:57: willst du ja oft abschätzen, wer ist dir am meisten wert.

00:30:03: Vielleicht ist das jetzt auch wieder abstrakt, aber es gibt dieses

00:30:05: Gedankenspiel von: Wenn alle Menschen, die du jemals geliebt

00:30:09: hast, in einem Raum wären, zu wem würdest du als Erstes hingehen?

00:30:12: Egal ob tot oder lebendig.

00:30:14: Deswegen kam ich drauf, dass es geht in so eine ähnliche Richtung.

00:30:17: Und ich fürchte, ich bin da einfach zu rational für all diese Dinge.

00:30:21: Ja, spannend.

00:30:22: Es ist ja tatsächlich einfach spannend, das mal so zu sagen.

00:30:27: Gerade weil eben nun mal Elayne den Sonderstatus hat, sie lebt nicht mehr.

00:30:32: Was ja nochmal sie in eine ganz andere Rolle bringt, was du gerade sagst mit Du

00:30:35: bist in einem Raum mit allen Leuten, die du jemals geliebt hast.

00:30:38: So, vielleicht geht man zuerst zu dem, den man am längsten nicht gesehen hat.

00:30:42: So, das wäre in deinem Fall nun mal Elayne.

00:30:45: Ja. Das macht ja auch irgendwie was.

00:30:48: Genau, also das ist natürlich noch mal eine andere Geschichte als das, was ich

00:30:51: eben aufgemacht habe, dieses Gedankenspiel.

00:30:54: Da wäre es vielleicht auch tatsächlich was anderes.

00:30:56: Also da könnte ich mir durchaus vorstellen in diesem Bild, dass es dann sehr

00:31:00: eindeutig tatsächlich Elaine wäre.

00:31:02: Einfach aus dem Gedanken heraus habe ich halt einfach am längsten auch nicht

00:31:05: gesehen und am längsten aber dafür auch begleitet.

00:31:10: Aber ob man jetzt daran festmachen kann, dass das irgendwie diese besondere

00:31:15: Seelenverwandtschaft, diese besondere Beziehung ist, weiß ich

00:31:17: auch wiederum nicht.

00:31:19: Aber jetzt haben wir viel über mich geredet.

00:31:21: Wie sieht es bei dir aus?

00:31:24: Ja, ich meine, ich hatte also bei mir ist ja schon mal der

00:31:27: Unterschied, es waren nie meine Pferde allein.

00:31:31: Also es war nie meine alleinige Verantwortung, was sich ja schon mal noch

00:31:35: mal eine ganz andere Situation aufmacht.

00:31:36: Und ich hatte verschiedene Reitbeteiligungen in meinem

00:31:40: Leben, manche länger, manche nicht so lange, manche intensiver,

00:31:44: manche nicht so intensiv.

00:31:45: Also ich muss da jetzt an ein paar Pferde denken.

00:31:48: Gut, klar, die zwei, die du eben schon genannt hast, Butterblume und Julius, sind

00:31:52: sicherlich die ersten, die mir einfallen, aber auch Lupi kommt

00:31:55: mir sofort in den Sinn.

00:31:59: Wenn ich aber zwischendrin zum Beispiel an Paquita denke, da ist

00:32:01: es wieder ganz anders.

00:32:02: Die habe ich auch eine ganze, ganze Weile mitversorgt.

00:32:07: Aber zu der hatte ich nie so eine innere Verbindung.

00:32:11: Also ich glaube schon, dass es bei mir Unterschiede in der Qualität gibt,

00:32:16: sage ich mal, der Verbindung.

00:32:19: Aber ich könnte jetzt auch nicht Butterblume gegen Julius aufwiegen.

00:32:24: Allein schon, also Julius ist jetzt eine wahnsinnig

00:32:27: lange Zeit, der, der mich begleitet.

00:32:30: Mit Butterblume hatte ich so viel Zeit nicht.

00:32:32: So alt ist sie nicht geworden, dass wir so viel Zeit gehabt hätten.

00:32:36: Und das war einfach noch mal da eine ganz andere Situation.

00:32:39: Da war ich ja auch noch mal nur mal ein Kind und ich habe sie nie aus einer

00:32:44: erwachsenen Brille oder aus einer jugendlichen Brille, ja sogar noch

00:32:47: nicht mal wirklich kennengelernt.

00:32:50: Also das beeinflusst die Beziehung ja auch irgendwie ganz anders, dass das

00:32:55: Bild, was man vielleicht auch hat, weil wie viel von meinen Erinnerungen von

00:32:59: damals sind denn wirklich genau die Erinnerungen und wie viel hat sich da

00:33:03: irgendwie über die Jahre einfach verwässert will ich gar nicht sagen, aber

00:33:08: verändert dadurch, dass so viel Zeit vergangen ist.

00:33:11: Allein dadurch kann ich das gar nicht sagen.

00:33:16: Also ich glaube schon, dass die beiden einen sehr speziellen Status bei mir

00:33:19: haben, aber wie gesagt, tatsächlich auch Lupi und ich habe diverse andere Pferde

00:33:23: auch immer wieder und über Jahre oder so teilweise betreut, die trotzdem,

00:33:28: wo es nicht so die Verbindung, die enge innerliche Verbindung gab, die ich auch

00:33:33: mag, mit denen ich gerne mich umgeben habe, mit denen ich gerne was erlebt,

00:33:37: gearbeitet, wie auch immer habe.

00:33:38: Aber es ist dann nie so mein Pferd gewesen auf der Verbindungsebene.

00:33:45: Also ich glaube schon, dass ich da unterscheiden kann.

00:33:47: Aber auch das wirst du haben, dass Pferde dich mal eine Zeit lang

00:33:51: begleitet haben, wo es vielleicht auch seinen Grund hat,

00:33:54: dass sie nie dein Pferd wurden, auch wenn es vielleicht Möglichkeiten gäbe.

00:33:59: Wie oft sind mir auch irgendwelche Pferde angeboten worden.

00:34:02: Auch Ribana zum Beispiel, denke ich jetzt gerade dran.

00:34:05: Auch die hat irgendwie eine ganz andere Verbindung für mich.

00:34:11: Jetzt habe ich mich irgendwo verrannt.

00:34:13: Ja, es gibt einfach Pferde tatsächlich, die haben andere

00:34:17: Beziehungen, sage ich mal.

00:34:19: Aber das eine Seelenpferd habe ich definitiv auch nicht.

00:34:22: Und auch der Begriff Seelenpferd wäre es schon nicht für mich.

00:34:24: Also wenn, wäre ich eher bei Herzenspferd, glaube ich, den Begriff gibt es auch.

00:34:28: Damit würde ich mich eher wohlfühlen.

00:34:30: Aber auch ich würde sagen, das eine gibt es nicht.

00:34:35: Und auch nach Julius wird irgendwie noch mal ein Pferd kommen,

00:34:40: mit dem ich mich sehr verbunden fühle.

00:34:43: Das darf hoffentlich noch ein paar Jahre dauern.

00:34:45: Ja, natürlich.

00:34:46: Aber so realistisch bin ich dann auch, so

00:34:50: rational, dass es nicht Julius und danach nie wieder ein anderes Pferd ist.

00:34:56: Also das finde ich auch vermessen zu sagen.

00:34:59: Ich glaube, das ist auch der Punkt.

00:35:00: Ich mag diese Exklusivität nicht, die mit diesem Begriff einhergeht.

00:35:07: Ja, also das, was du vorhin sagtest mit dem, man kann also unterschiedliche

00:35:11: Kinder, die man auf eine unterschiedliche Art und Weise liebt, aber

00:35:14: deswegen nicht mehr oder weniger.

00:35:16: Ich glaube, das ist tatsächlich ohne Kinder zu haben und das

00:35:19: beurteilen zu können.

00:35:20: Aber ich glaube, das kann man schon auf dem, dem Bild ein bisschen vergleichen.

00:35:25: Wo mir das aber tatsächlich, weil ich es gerade hier im Bild sehe,

00:35:28: anders geht, ist beim Thema Hund.

00:35:32: Da würde ich schon ganz klar einen Unterschied machen zwischen Fips und

00:35:35: Merle, mit denen ich ja beide auch zusammengelebt habe.

00:35:38: Aber da war es auch tatsächlich von Anfang an, Fips war mit auch mein Hund,

00:35:43: den habe ich mir mit ausgesucht.

00:35:45: Ich habe mir damals ursprünglich gewünscht, ich hätte gerne einen Hund,

00:35:47: auch wenn es natürlich Familienhund waren und wir uns alle gekümmert haben.

00:35:52: Aber bei Merle zum Beispiel ist das ganz anders.

00:35:55: Also mit der habe ich auch eine ganze Zeit lang noch zusammen gelebt, aber auch Merle

00:35:57: hat sich nie so richtig an mich gewöhnt.

00:36:00: Die ist mir bis heute skeptisch gegenüber als eines der wenigen

00:36:04: Tiere, die ich kenne.

00:36:07: Also mit der habe ich nie so eine Verbindung gehabt.

00:36:09: Ich komme mit der klar, ich mag die auch, aber da ist es tatsächlich ganz anders.

00:36:14: Also ja, mit Fips bist du natürlich auch aufgewachsen.

00:36:17: Vielleicht spielt das da auch eine Rolle.

00:36:19: Ich habe gerade drüber nachgedacht, bei Katzen tatsächlich,

00:36:23: wobei ich mich da auch schwertue, jetzt eins über das andere zu heben.

00:36:28: Aber ich bin mit Jeanny damals heraufgewachsen.

00:36:30: Also sie war ja noch klein, als ich auch wirklich, wirklich klein war

00:36:35: und wir sind halt wirklich miteinander aufgewachsen und ich konnte mit ihr halt

00:36:39: alles machen, was niemand mit ihr machen konnte.

00:36:41: Ich konnte die tragen, also wirklich in jeder Form

00:36:45: tragen, irgendwo, wo sie lag, hochnehmen, rübertragen, in einen anderen Raum genauso

00:36:51: hinlegen, sie ist genauso liegen geblieben.

00:36:55: Also da war halt schon wirklich auch eine besondere Beziehung.

00:36:58: Vielleicht ist es so ähnlich wie das, was du mit Fips auch erlebst, obwohl ich sagen

00:37:01: muss, mit meiner jetzigen Katze ist auch eine ganz, ganz tolle Beziehung.

00:37:08: Dieses Eintauschen ist für mich, glaube ich, das Ding.

00:37:10: Diese Exklusivität. Würde ich sie eintauschen?

00:37:12: Ich glaube nicht, dass ich sie eintauschen würde, weil das auch bedeuten würde,

00:37:15: ich würde sie ja abgeben in dem Moment. Vielleicht ist das mein Problem.

00:37:19: Aber dass es da irgendwie was Besonderes gibt, würde ich sagen: Ja, das habe

00:37:23: ich da auch erlebt, auf jeden Fall.

00:37:26: Ja, Jeany begleitet mich auch bis heute, nämlich in Form von

00:37:29: Narben auf meinem Bein.

00:37:32: Also allein das hat mich auch sehr geprägt.

00:37:34: Ja, das glaube ich.

00:37:36: Ich bin ja froh, dass du noch Kontakt zu Katzen hast und sie

00:37:39: seitdem nicht verschmähst.

00:37:41: Ja, ich glaube, es ist eher ein Wieder, weil das war— also Jeanny

00:37:44: war da nicht die Einzige.

00:37:45: Ich hatte mit einer anderen Katze auch noch ein unschönes Erlebnis in recht

00:37:47: kurzer Zeit und danach war ich sehr viele Jahre Katzen gegenüber skeptisch.

00:37:51: Irgendwann dann habe ich mein Interesse wieder gefunden, aber ich glaube auch,

00:37:55: Katzen werden nie mein engstes Tier werden, sagen wir es mal so.

00:38:02: Das ist ja auch okay, aber ist ja trotzdem spannend zu sehen, wie

00:38:05: unterschiedlich das bei verschiedenen Tierarten vielleicht

00:38:08: auch noch mal sein kann.

00:38:10: Sicherlich auch abhängig davon, wie viel Zeit man— also nicht nur wie viele

00:38:14: Jahre man miteinander verbringt, sondern auch wie viel Zeit vielleicht auch.

00:38:17: Also Katze, wie gesagt, mit der ich selber aufgewachsen bin, sehr viel Zeit

00:38:22: verbracht habe, ist vielleicht auch noch mal was anderes, als

00:38:27: die Katze später zu adoptieren.

00:38:29: Könnte ich mir vorstellen.

00:38:30: Vielleicht ist das bei Pferden auch ähnlich.

00:38:31: Das ist, glaube ich, auch, dass einfach die Umstände sehr mit reinspielen und

00:38:34: deswegen, glaube ich, auch viele so einem Herzenspferd oder Seelenpferd oder

00:38:38: wie auch immer hinterhertrauern.

00:38:40: Weil genau das, was ich sage eben mit Butterblume, das ist so lange her,

00:38:46: Da wird man sich ja auch vieles in den Gedanken irgendwie romantisieren,

00:38:49: was vielleicht gar nicht so war.

00:38:51: Oder man erinnert sich nur an die schönen Sachen und gar nicht so viel

00:38:53: an das, was so schwierig war.

00:38:56: Also auch mit Julius jetzt an die Anfänge, vieles werde ich dann sicherlich auch

00:38:59: nicht mehr in Erinnerung haben, was da anfangs so schwierig war.

00:39:02: Was ich da jetzt halt sehe, ist das Pferd, auf das ich mich total verlassen kann, mit

00:39:05: dem ich alles machen kann, so ungefähr.

00:39:08: Aber dass ich mit dem mal fast über den Stromzaun oben drauf sitzen gesprungen

00:39:13: bin, weil der irgendwie völlig gerade durchgebrannt ist und einfach nur

00:39:15: auf diesen Zaun zugerannt ist.

00:39:17: Als wir ausreiten waren.

00:39:20: Das ist nun mal auch Teil der Realität dieser Beziehung.

00:39:24: Wäre diese Beziehung heute so, wenn wir diese Erlebnisse nicht gehabt haben?

00:39:27: Das ist halt, ja, absolut ganz, ganz viel mit rein.

00:39:31: Genau, das darf man ja nicht vergessen, dass sowas einen ja auch zusammenschweißt

00:39:35: und das ist ja ganz selten von Anfang an einfach nur toll ist.

00:39:38: Das war es bei Elayne und mir auch nicht.

00:39:40: Also ich habe ja schon ein paar Mal erzählt von dem Unfall beim Ausreiten,

00:39:43: der mich dann eben auch sehr geprägt hat.

00:39:45: Es gab auch Winter, da wollte ich Elayne abgeben.

00:39:49: Nicht weil ich irgendwie mit ihr ein Problem gehabt

00:39:51: hätte, sondern weil ich gesagt habe, ich werde ihr einfach nicht gerecht.

00:39:54: Das hatte ich damals schon.

00:39:56: Witzig, dass das da schon ein Thema für mich war.

00:39:59: Das Pferd hat halt damals tatsächlich noch viel in der Box gestanden

00:40:03: und Matschwiese und sowas und wir hatten nur einen Reitplatz, der

00:40:07: dann nicht verwendbar war.

00:40:09: Da hatte ich damals schon das Gefühl, ich muss sie abgeben, weil ich

00:40:14: ihr einfach nicht das bieten kann, was ich ihr bieten will.

00:40:16: Aber ich will damit sagen, Wir hatten halt auch diese schwierigen Zeiten.

00:40:20: Ich konnte sie anfangs überhaupt nicht longieren.

00:40:23: Da habe ich mir mehrere Leute zum Unterricht geholt,

00:40:27: die mir das beibringen wollten und die da auch Schwierigkeiten mit hatten.

00:40:30: Später, ich weiß nicht, vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja

00:40:33: sogar noch, später habe ich mit ihr an der Longe alles machen können,

00:40:37: frei an der Longe, wie auch immer, auf Distanz an der Longe

00:40:42: mit ihr Seitengänge abrufen.

00:40:44: Also so verändert sich das.

00:40:46: Aber das ist halt das, was was wir uns ja auch erarbeitet haben, genau

00:40:50: wie du mit Julius auch.

00:40:51: Das gehört dazu und das heißt aber— also das ist, glaube ich, auch der Punkt—

00:40:56: selbst wenn man jetzt sagen würde, das sind Seelenpferde, Herzenspferde, wie auch

00:41:00: immer, heißt das halt nicht, dass alles immer nur gut sein muss.

00:41:04: Ich glaube, das ist auch wichtig.

00:41:07: Ich glaube, sonst gäbe es keine einzige Beziehung auf dieser Welt, egal ob

00:41:12: zwischenmenschlich oder zu Tieren, wenn immer alles gut sein müsste.

00:41:16: Ich glaube, dann würde doch jeder würde jede einzelne Beziehung auf dieser Welt

00:41:19: zerbrechen und die, die es doch gibt, die wären dann irgendwie ein Warnzeichen, dass

00:41:23: da auch was nicht so richtig stimmen kann, wenn es immer alles harmonisch ist.

00:41:28: Also ja, das wäre halt viel auch Schönreden.

00:41:31: Mir ist nur eine Sache noch eingefallen, die ich gerne noch mal

00:41:35: kurz loswerden möchte.

00:41:35: Wir sind jetzt heute sehr auf der persönlichen Ebene.

00:41:38: Ich hatte mir eigentlich noch Sachen rausgeschrieben, wie man sich das

00:41:40: vielleicht auch erklären kann, aber eine persönliche Sache möchte

00:41:43: ich trotzdem noch loswerden.

00:41:45: Weil dieses Thema Herzenspferd mir noch mal in den Sinn kam und ob Elayne

00:41:49: was Besonderes war oder ist.

00:41:52: Witzigerweise, als ich Haukur Probe geritten bin,

00:41:55: hatte ich den Moment, wo ich das Gefühl hatte, ich fühle mich wie auf Elayne.

00:42:00: Also da war irgendwie direkt die Verbindung da.

00:42:02: Das heißt, irgendwo was Besonderes ist da vielleicht dann trotzdem, dass man

00:42:05: da auch diese Verbindung sieht.

00:42:07: Und ich sehe, obwohl die zwei in vielen Punkten sehr unterschiedlich sind,

00:42:11: trotzdem häufig auch irgendwo Elayne in Haukur, obwohl ich nicht an Wiedergeburt

00:42:16: glaube und auch nicht an, weiß ich nicht, keine Ahnung, was auch immer

00:42:19: da noch in die Richtung geht.

00:42:20: Um das auch noch direkt dazu zu schieben.

00:42:23: Passt ja auch gar nicht zeitlich bei den zwei, oder?

00:42:26: Nee, passt auch nicht.

00:42:28: Aber könnte man jetzt auch sagen, den Glauben gibt es ja dann auch irgendwie.

00:42:32: Das ist die Seele von dem Pferd noch mal in einem anderen Pferd, habe

00:42:35: ich auch schon oft genug gehört.

00:42:37: Aber vielleicht ist das dann wieder das, was wir gesagt haben, dass man sich

00:42:40: irgendwo ein Typpferd oder so was aussucht.

00:42:44: Wobei, wie gesagt, die zwei sind auch sehr unterschiedlich.

00:42:45: Also ich weiß gar nicht, was das so ist, was die außer der Fellfarbe

00:42:49: großartig verbindet.

00:42:52: Ja, aber das hat ja natürlich auch Einfluss, wenn du da

00:42:55: so ein vertrautes Gefühl hast, unabhängig ob— also und das so übertragen kannst.

00:43:00: Natürlich hat das dann auch vielleicht am Ende des Tages Einfluss

00:43:03: auf deine Entscheidung.

00:43:04: Wenn du sagst, das fühlt sich an wie— ist das ja erstmal beruhigend für deine

00:43:12: Gefühle, dein Nervensystem, dein was auch immer, dass das erstmal

00:43:17: sich gut anfühlt natürlich und das wiederum die Entscheidung

00:43:19: beeinflusst, klar.

00:43:21: Das ist ganz schön, dass du das sagst, weil das ist ja der Punkt.

00:43:24: Also da kommen wir jetzt doch nochmal kurz zu dem, was ich gesagt habe, dass

00:43:28: man sich das auch erklären kann.

00:43:29: Genau, das Nervensystem oder wir selber suchen ja auch Sicherheit.

00:43:32: Wir suchen ja Dinge, die für uns erklärbar sind, die für uns

00:43:36: ähnlich sind wie etwas, was wir schon kennen, was uns uns gutgetan hat.

00:43:41: Von daher, vielleicht das jetzt nochmal zum Abschluss,

00:43:43: ist ja das durchaus erklärbar, warum es auch Menschen gibt, die gerne an sowas wie

00:43:47: Schicksal glauben und auch vielleicht sogar an wiederkehrende Seelen oder sowas,

00:43:54: weil uns das ja durchaus beruhigt und wie gesagt Sicherheit gibt.

00:43:58: Wir alle können eher schlecht, also als Menschen grundsätzlich eher schlecht mit

00:44:02: Unkontrollierbarem umgehen, also wenn wir auch keinen Einfluss darauf nehmen können.

00:44:06: Von daher macht das ja total Sinn, dass uns das dann auch gut tut.

00:44:10: Und tatsächlich, bei all dem, weil ich jetzt sehr kritisch geklungen habe, ist

00:44:16: mir echt noch mal wichtig zu sagen: Ich finde es gar nicht schlimm

00:44:20: oder verwerflich, wenn man daran glaubt, nur weil ich jetzt nicht daran glaube.

00:44:23: Wenn man darin Halt findet, wenn man darin Sicherheit

00:44:26: findet, wenn es einem gut tut, dann ist es doch ein schöner Glaube.

00:44:32: Es ist so ähnlich wie mit der Manifestation, nur an den Punkten, wo es

00:44:36: jemand anderem oder mir selbst schadet, da würde ich sagen, wäre es sinnvoll,

00:44:41: das nochmal zu hinterfragen.

00:44:43: Aber ganz grundsätzlich ist das ja ein Glaubenssatz, der niemandem

00:44:47: passt, niemandem wehtut.

00:44:48: Ich kann mir Ausnahmefälle vorstellen, aber im Großen und Ganzen

00:44:52: ist das ja nichts Schlimmes.

00:44:55: Ja, wunderbar.

00:44:56: Ich finde, das war eigentlich schon das perfekte Schlusswort.

00:44:58: Oder gibt es noch was, was du noch ergänzen möchtest?

00:45:03: Ich glaube, wir könnten noch ewig weiterreden, aber ich hoffe, dass wir hier

00:45:06: einen guten Überblick gegeben haben und ich glaube, da muss man

00:45:10: jetzt nichts weiter ergänzen.

00:45:13: Das Einzige, was wir noch ergänzen können, dass gerne alle, die sich jetzt zuhören,

00:45:18: uns doch mal ihr Seelenpferd vorstellen können, wenn sie denn eins haben, oder

00:45:23: warum sie vielleicht genau keins haben.

00:45:25: Das würde mich mal interessieren noch.

00:45:27: Danke fürs Zuhören bei dieser Folge von Psycholohü.

00:45:30: Wenn sie dir gefallen hat, hinterlass uns doch eine positive Bewertung

00:45:33: und teile die Folge.

00:45:35: Wir freuen uns über Feedback, Themenwünsche und deine

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