#53 Mut zum eigenen Weg - Tina Meier von Equipreneur über Auswandern, Selbstständigkeit und Pferde

Shownotes

In dieser Folge haben wir mit Tina Meier gesprochen. Sie ist vor einigen Jahren spontan nach Schweden ausgewandert, lebt dort mit ihren beiden Pferden und arbeitet als Equipreneur selbstständig in der Pferdebranche. Da gibt es viel zu erzählen: Wie ist es, auszuwandern? Was ist in Schweden anders - vor allem in Bezug auf die Pferde? Welche Herausforderungen gibt es? Und was macht uns eigentlich glücklich?

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Die erwähnte Folge zum Thema Veränderungen →[Zum "Drei gute Dinge-Tagebuch" von Carina]https://www.amazon.de/Drei-Dinge-Tagebuch-Carina-Warnst%C3%A4dt/dp/3734712009?_mkdeDE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=19YG7DRJPMM6C&dib=eyJ2IjoiMSJ9.V6zxjotXW6SmaqhDePTyBw.j6P0YwlmHfwmZ5ge71jynw-6JoALg8EyZLsKzr0pEY&dibtag=se&keywords=carina+warnst%C3%A4dt+drei+gute+dinge&qid=1773068648&sprefix=carina+warnst%C3%A4dt+drei+gute+ding%2Caps%2C99&sr=8-1&linkCode=ll2&tag=leaschneiderv-21&linkId=687a1b9130d8e5cc98c28c726343ad87&ref=asliss_tl))

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Transkript anzeigen

00:00:04: Carina Psycholohü, der Podcast über Pferde und Psychologie. Wir sind Carina Warnstädt, Psychologin und Begleitung für Menschen mit chronisch kranken Pferden

00:00:12: Lea und Lea Schneider, virtuelle Assistenz für Selbstständige in der Pferdebranche und Pferdeverhaltenstrainerin. Wir nehmen dich mit in unsere Gedanken zu verschiedenen Themen aus dem Bereich Pferd Mensch Beziehung und in spannende Interviews Zu den Themen Pferde und Psychologie.

00:00:29: Lea Hallo und herzlich willkommen zu dieser Folge von Psycholohü. Heute haben wir einen Gast, der ein bisschen weiter weg ist als sonst und ich würde Mehr sage ich auch gar nicht, Stell dich doch gerne einmal selber kurz vor.

00:00:44: Tina Hi, ich bin Tina, Tina Meier von Equipreneur und um auf deine Einführung einzugehen, ich lebe in Schweden, arbeite auch von Schweden aus, habe aber bis Ende 23 zu Equimero gehört, habe das mit aufgebaut und jetzt bin ich wieder Einzelkämpferin und mache unter anderem das Marketing.. ach Marketing - Management von Mathes Röckener. Und noch so diverse andere Dinge.

00:01:16: Carina Ja, das klingt erstmal total spannend, aber die Frage, die natürlich jetzt irgendwie sofort im Kopf ist, wie bist du nach Schweden gekommen?

00:01:25: Tina Mit der Fähre. Ich habe im April 2020 entschieden, dass ich nicht mehr in Deutschland leben möchte. Mir wurde das damals ein bisschen zu eng. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und jeder weiß ja, was damals so los war und das hat mir nicht so gepasst. Und dann habe ich meine Sachen gepackt quasi. Also die Entscheidung habe ich im april 2020 getroffen und am 3. Januar 21 bin ich dann am 2. Januar auf die fähre und am 3. Januar 21 war ich in Schweden mit meinem Sohn und seitdem lebe ich hier seit über fünf Jahren.

00:02:02: Lea Du hast die Geschichte auf den Creator Days ja auch schon erzählt. Ich habe es gehört, Carina war nicht da, aber soweit du da erzählt hast, warst du ja mit recht wenig Vorbereitung in dieses Abenteuer gestartet.

00:02:17: Tina Ja gut, ich kenne Schweden schon länger, weil ich hier schon als Kind im Urlaub war und mein Bruder lebt seit über 20 Jahren in Schweden, allerdings sechs Stunden nördlich von mir. Also wir sehen uns auch nicht öfter, als zum Beispiel man sich so in Deutschland sieht. Und ja, ich habe über Umwege dann ein Haus mieten können und das habe ich mir aber vorher gar nicht angeschaut. Es lief alles online quasi der Vertrag. Und ja, dann bin ich halt hier gelandet, wo ich jetzt bin in smland, so wie man sich das vorstellt, mit vielen roten Häuschen und ganz viel Bullerbü, aber auch nicht nur.

00:03:01: Carina Ja, Wahnsinn. Also ich stelle mir das irgendwie krass vor. Ich meine, ich bin ja nur 250 km umgezogen innerhalb von Deutschland und ich weiß, was das schon alleine irgendwie für ein Schritt war, was da alles dranhängt an Bürokratie, aber auch sich einfach in einer neuen Umgebung einfinden, zurechtfinden, Menschen kennenlernen, was halt alles so dann irgendwie mit dazu kommt, was man vielleicht auch gar nicht vorher einplant. Aber jetzt bist du ja einfach ausgewandert, das ist ja eine ganz andere Nummer. Wie war das für dich? Also ich stelle mir das vor, dass da ganz viel Unsicherheit auch irgendwo mitschwingt, oder? Oder bist du da einfach ganz entspannt reingegangen?

00:03:39: Tina Ne, ich bin eigentlich ganz entspannt reingegangen. Für mich ist das immer so, wenn ich eine Entscheidung treffe, dann lebe ich die auch mit jeder Konsequenz. Und sobald ich mich entschieden habe, wird das dann halt auch sukzessive durchgezogen. Und für mich tatsächlich ist jetzt kein Unterschied, ob ich jetzt nach München ziehe oder nach Schweden. Also außer, dass ich Schweden natürlich viel schöner finde, aber rein jetzt von der Distanz her, klar, die Sprache, aber die können ja alle Englisch und die älteren Leute haben auch alle noch Deutsch in der Schule gelernt, Die sind immer total froh, wenn sie mal wieder so ein paar Brocken rausholen dürfen. Und ich fand das jetzt, also es ist ja immer noch Europa. Ich meine, wenn ich jetzt nach, keine Ahnung, die Malediven ausgewandert wäre oder nach Kanada, das sind wir vielleicht ein bisschen anders, aber so war das für mich jetzt nicht so ein großes Ding, ehrlich gesagt.

00:04:28: Carina Ja klar. Also Europa, logisch verstehe ich. Was sind denn aber so Unterschiede, die man vielleicht merkt? Also ich meine, trotzdem ist ja jedes Land unterschiedlich und die Sprache, cool, dass sie da auch zum Teil Deutsch sprechen. Aber du wirst auch sicherlich auch mit irgendwelchen Unterschieden konfrontiert worden sein, wo du vielleicht auch vorher nicht mitgerechnet hast, auch wenn du schon öfter da warst.

00:04:49: Tina Ja, am Anfang sind das natürlich so die Dinge, die offensichtlich sind. Kulinarik zum Beispiel. Also die Schweden sind jetzt nicht so das Gourmetvolk, würde ich mal sagen. Also das ist sehr beschränkt und aufgrund der Distanzen zwischen den einzelnen Orten und auch schon Häusern gibt es da, wo ich zumindest wohne, keine Lieferservice oder auch so Restaurants und so ist unüblich. Es ist eher so, dass die Leute hier mittags mal essen gehen. Lunch nennt sich das dann, dass man dann mit Arbeitskollegen und so in der Stadt halt zusammen ist. Ja und naja klar, alles was man so kaufen kann im Supermarkt, es gibt keine Drogerien, DM und Rossmann, I miss it. Ja, das ist schon ein bisschen hart so, aber man gewöhnt sich an alles. Ganz furchtbar ist das Brot hier, das hat immer eine gewisse Süße oder es gibt nur Toast und deswegen backe ich auch meistens das Brot selber. Und nach all den Jahren merkt man natürlich auch die Dinge, die so ein bisschen tiefer gehen, also kulturelle Unterschiede oder auch so Mindset Geschichten. Also in Schweden ist das eher so, dass es ein Volk ist, wo alle Menschen gleich sind oder gleich sein sollen im Sinne von niemand ist mehr wert als der andere, was ja prinzipiell erst mal ein lobenswerter Ansatz ist, aber es ist auch eher verpönt zu sagen, hey, das habe ich echt gut gemacht oder ich bin stolz auf mich. Und das finde ich wiederum sehr schade, was ich als angenehm empfinde. Was aber Vor und Nachteile hat, ist, dass die Schweden sehr nach dem Motto Leben und Leben lassen agieren. Das soll heißen, sie sind eher konfliktscheu. Das ist so wie mit zwei Hunden, die sich dann so begegnen. Man beschnuppert sich einmal kurz und dann geht man weiter und lässt den anderen in Ruhe. Und so ist das hier auch. Das finde ich einerseits total angenehm. Auf der anderen Seite fehlt mir da manchmal auch so ein bisschen die Positionierung, weil ich halt jemand bin, der auch gerne eine Meinung vertritt und sagt, damit halten die Schweden eher hinterm Berg. Ja, aber schlussendlich auch nach fünf Jahren würde ich immer noch summieren, ist es mein Place to be. Ich kann mit den in Anführungszeichen für mich Unzulänglichkeiten gut leben. Und was mich halt hier wirklich trägt, ist die wahnsinnige Natur und die Kombination, dass nur wenige Menschen in diesem riesigen Land leben. Also das ist schon sehr angenehm. Genau.

00:07:30: Carina Ja, ich glaube, das ist was, was gerade für Pferdeleute oftmals schön ist. Also die sind ja oft doch sehr naturverbunden und mögen eher auch mal die Ruhe.

00:07:40: Tina Das stimmt, aber da muss ich mal kurz einhaken. Das ist nämlich auch noch mal ein gutes Thema. Pferdehaltung in Schweden, zumindest da in der Region, wo ich wohne ist wirklich anders als in Deutschland. Das ist so auf dem Stand von, ich weiß nicht, er oder so, sowohl was Fütterung angeht, Haltung als auch Hufbeschlag ganz ganz krass oder Hufpflege. Das ist schon so, wo ich dachte, boah, also Ausrüstung und ob der Sattel passt, ist jetzt auch nicht so richtig wichtig und dann wundern sie sich, wenn die Pferde Hufrehe kriegen und so. Also da sind wir in Deutschland wirklich weiter, würde ich sagen, besser informiert. Und was auf der anderen Seite schön ist, also so wie meine Pferde hier leben, hätte ich es ihnen in Deutschland nie ermöglichen können. Also auf großen Flächen, auch sehr ursprünglich mit Waldbewuchs, dicke Findlinge liegen, darum Felsen, keine Ahnung was das Gras wächst natürlich, da sind ganz viele Gräser drin und so. Das natürlich wieder schön. Aber wenn ich sag mal, ein deutscher Warmblutbesitzer sehen würde, wo meine Pferde im Galopp hier rüber kacheln, da würden die Panik in den Augen haben und sagen never ever würde ich das hier, würde ich mein Pferd da laufen lassen. Genau, also man muss, man muss halt genau sehen, der Tierarzt ist sehr weit weg. Also mein Pferd hatte letztes Jahr eins meiner beiden Pferde, eine Schlundverstopfung zum ersten Mal. Ich habe den seit sieben Jahren und da habe ich den Tierarzt natürlich angerufen, dann hieß es, Wir rufen in 20 Minuten zurück, wann wir kommen können. Ja, und dann habe ich eine Freundin angerufen. Wir haben dann gemeinsam eben da, ich sag mal so erste Hilfe geleistet, was man halt so macht bei SchlundVerstopfung und ja, schlussendlich haben wir es alleine hinbekommen. Die haben nach 20 Minuten zurückgerufen und haben dann gesagt, ja, in einer Stunde können wir da sein. Also und das ist halt hier, der Tierarzt ist eben relativ weit entfernt. Das ist nicht immer ein Pferdetierarzt und das muss man wissen. Ich kenne auch Auswanderer, die aufgrund der tierärztlichen Versorgung von Pferden und Hunden wieder zurückgegangen sind nach Deutschland, weil sie gesagt haben, boah, das ist mir zu heikel und ich bin da eher so hartgesotten und sag mir halt, okay, ich weiß, der Jäger ist hier näher dran als der Tierarzt. Ich versuche ganz viel selber zu machen. Bisher habe ich es auch gut hingekriegt, wobei meine Pferde eben sehr robust sind und auch nicht so viel haben. Also eher sind es mal Verletzungen als jetzt irgendwie keine Ahnung was chronisches oder aber auch das ist im Rahmen und da mache ich halt selber und wenn es halt nicht geht, dann ist es so. Also ja,

00:10:19: Lea wo wir gerade bei den Pferden sind, wie haben die denn den Umzug überstanden?

00:10:25: Tina Also ich bin hierher gekommen und habe erstmal einen Stall suchen müssen. Ich wusste ja gar nicht, wo ich die hinstelle, meine zwei Fjordpferde damals und habe dann auch eben hier in der Gegend rumgefragt, habe dann eine Stelle gefunden, habe dann die Pferde nachbringen lassen, weil ich fahr zwar immer Hänger und so, aber diese weite Strecke wollte ich sie professionell dann hierher transportieren lassen, die haben das super gut weggesteckt. Die waren total easy. Sind halt auch Fjordpferde, ne? Und ich habe die schon eine Weile, also ja, dann habe ich mir noch ein drittes Fjordpferd gekauft damals und schlussendlich habe ich das aber wieder verkauft und auch eines der beiden importierten Fjordpferde habe ich wieder zurückgehen lassen nach Deutschland, weil die Haltung für dieses Pferd, was Vorerkrank Erkrankungen hatte mit Cushing Ems und so metabolisch, ich dem die Haltung hier so nicht ermöglichen konnte und dann habe ich ihn halt zu einer Freundin gegeben. Ja und jetzt habe ich mir zu meinem ersten Fjord, den ich eben mitgebracht habe, noch ein nordschwedisches Kaltblut gekauft, so ein Michel Lönneberger, dunkelbraunes, dickpoiges etwas.

00:11:32: Carina Okay, das passt natürlich dann gut in die Gegend, aber ist ja sicherlich auch nicht ganz einfach, wenn man dann merkt, okay, das ist vielleicht für das Pferd, was man mitgebracht hat, hier nicht das Richtige, dann zu entscheiden, okay, ich gehe den Schritt und gebe das Pferd nach Deutschland zurück. Okay, jetzt hast du das Glück gehabt, du hattest jemanden, wo du es in guten Händen wusstest, aber trotzdem stelle ich mir das schon noch mal schwierig vor, oder Wenn man dann sich so einen Traum verwirklicht hat irgendwo und dann merkt, okay, für mein Pferd ist es aber kein Traum.

00:12:01: Tina Ja klar, da muss man dann natürlich Prioritäten setzen und ich hatte halt die Wahl zwischen, okay, er steht den ganzen Tag alleine auf dem Sandpaddock und guckt, wie seine Kollegen da über die Wiese flitzen oder eben ihn nach Deutschland zu bringen oder bringen zu lassen zu meiner Freundin, die ihm ein wunderbares, also noch mehrere gute Jahre beschert hat halt, ne? Und da ist war das für mich ganz klar. Also ich hatte den damals auch zwölf Jahre, das war nicht einfach, aber schlussendlich, pro Pferd.

00:12:33: Lea Ja, das wollte ich gerade sagen, das ist ja dann wirklich mal fürs Pferd zu Ende gedacht. Das ist ja auch nicht selbstverständlich.

00:12:40: Carina Ja und jetzt hatten wir so ein bisschen das Thema, gut, wie war es privat, wie war es mit den Pferden? Wie ist es beruflich bei dir weitergegangen, nachdem du umgezogen bist? Du hast ja schon am Anfang gesagt, okay, Equimero hat sich verändert bzw. Du bist ausgestiegen. Ich weiß nicht genau, wann das war, ehrlicherweise. Ich bin sehr schlecht mit Zeitgefühl, nimm uns da auch noch mal gern ein bisschen mit.

00:13:02: Tina Ja, also Ich habe Equimero 2015 gegründet, damals mit Saskia. Ich war vorher schon selbstständig, ich hatte auch vorher schon ein Produkt entwickelt und dann ging das eben mit Equimero weiter. Und als ich nach Schweden gegangen bin, habe ich meine Tätigkeit quasi mitgenommen, weil ich hatte mit der Produktion, also wir haben ja alles selber gemacht, wir haben die Produkte entwickelt, wir haben sie selber genäht, wir haben den Onlineshop gemacht, alles von A bis Z in Haus. Aber ich hatte mit der Produktion an sich, weil ich überhaupt nicht nähen kann und handwerklich nicht begabt bin, ja so nichts zu tun. Also auch nicht mit dem Mitarbeiter, also klar mit den Mitarbeitern, wir sind alle in einem Gebäude gewesen, aber das war eher Saskias Bereich und von daher habe ich für mich gesehen, dass ich meine Aufgaben mitnehmen kann und von daher, ja, habe ich das dann gemacht. Dass das nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen ist, ist ein anderes Thema, aber schlussendlich bin ich eben auch da sehr klar in meinen Entscheidungen und es soll nicht egoistisch klingen, aber das war mir halt wichtig und ich hätte wirklich mit jeder Konsequenz das auch getragen, diese Auswanderung und ja, habe dann noch zwei Jahre von Schweden aus, ne, 3, 21, 22 23 genau gearbeitet für Equimero und dann haben sich eben Dinge geändert und bin dann Ende 23 auf eigenen Wunsch da raus und bin da auch sehr froh drüber. Ja, alles hat seine Zeit.

00:14:44: Carina Ja, so ist es. Also das passt sehr gut zu dem Thema, was Lea und ich ja auch schon besprochen haben. Alles hat seine Zeit. Wir sind Ja, da auch so der Meinung über jede Erfahrung, die man macht, kann man irgendwie froh sein. Und manchmal ist es dann eben auch so, dass man einen Schlussstrich ziehen muss oder es einfach besser ist, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber du bist ja auch weiterhin selbstständig und auch in der Pferdebranche. Wie hat sich das dann entwickelt?

00:15:09: Tina Ja, ich mag einfach Herausforderungen. Also Equimero, das waren neun Jahre und irgendwann weiß man dann ja auch, welche Knöpfe man drücken muss und so. Und dann fehlt mir so ein bisschen dieser dieser, ja, dieser Spark halt, dieser Funke neben anderen Gründen, weshalb ich da ausgestiegen bin. Aber ich mag schon auch neue Sachen anfangen. Und dann habe ich halt angefangen, mich wieder hier in Schweden selbstständig zu machen als Equipreneur. Ich fand die Wortkreation geil. Ich wollte damals auf jeden Fall in der Pferdebubble bleiben. Entrepreneur, Unternehmer war ich schon lange, also habe ich das kombiniert zu Equipreneur Und ja, habe dann ziemlich schnell auch meine erste Kundin gefunden und mit der ich zwei Jahre zusammengearbeitet habe. Und dann kam alles so nach und nach und ich mache das total gerne. Ich kann mich immer neu definieren quasi. Ich greife auf extrem gute Vernetzungen und Kontakte aus meiner Pferdeweltzeit zurück und schaue auch immer über den Tellerrand. Und ich mag sehr gerne jetzt diese 1 zu 1, ich nenne es jetzt mal Betreuung oder Kooperation, Zusammenarbeit, wie auch immer. Das gefällt mir sehr gut. Also ich bin ja keine Agentur, ich mache keine Programme für weiß ich X Leute, sondern ich arbeite wirklich sehr eng mit den Menschen, mit meinen Kunden zusammen.

00:16:39: Carina Ja. Und wie konkret muss man sich das jetzt vorstellen? Also ich glaube noch nicht jeder hat so einen Begriff davon übrigens. Ich finde den Namen auch wirklich mega. Also als ich den das erste Mal gehört habe, ich super. Ich meine, wir haben hier ja auch mit Psycholohü so eine Kreation von Lea. Also wir sind Fans von Wortschöpfungen. Genau. Aber ich glaube, dass sich noch nicht jeder so richtig vorstellen kann, was konkret du machst. Wie sieht dein Alltag vielleicht aus?

00:17:06: Tina Das ist auch gar nicht so einfach mal zu erklären, wenn Leute auf mich zukommen und sagen, ja, ich glaube, ich glaube, du könntest vielleicht mir weiterhelfen oder kann ich mit dir zusammenarbeiten? Dann sage ich immer, ja, lass uns halt einen Zoom machen zum Kennenlernen und dann schauen wir mal, was es, ob es passt, rein menschlich und dann siehst du vielleicht auch, ob ich dir helfen kann, weil ich eben das gar nicht so genau benennen kann. Also ich bin, ich bin ein guter Networker. Ich schaffe es, die Menschen wieder daran zu erinnern, was vielleicht ihre Passion ist. Ich freue mich, wenn sie wieder so richtig brennen oder anfangen zu brennen für etwas, was sie vielleicht so im Hinterkopf gehabt haben, aber sich noch nicht getraut haben. Ich kenne mich natürlich aufgrund der Erfahrung recht gut aus, was so Neugründung angehen, was Schutzrechte angeht, Produktentwicklung, aber auch Social Media etc. Pp. Und da helfe ich ganz gerne auf die Sprünge. Und ich habe jetzt unterschiedliche Kunden, aber momentan ist es sehr stark eben in der Influencer Betreuung tatsächlich, wobei Mathes für mich auch kein Influencer ist, sondern das ist Multitalented Equestrian, der kann einfach sehr viel, fast alles. Also ja, ich mag aber auch, wenn Leute mit Produktideen auf mich zukommen und sagen so hier, guck mal, wir haben uns das und das überlegt, meinst, das könnte klappen, was müssen wir tun, um das an Start zu bringen? Ja, solche Geschichten. Und natürlich für mich persönlich auch die Weiterentwicklung, dass ich sehr, sehr gerne auf der Bühne unterwegs bin, also als Speaker, so wie jetzt auf den Creator Days und auch vorher schon einmal das Jahr im ganz anderen Bereich, da ging es hatte gar nichts mit Pferden zu tun. Und ja, das ist einfach schön. Ich glaube nämlich, dass meine Themen einfach menschenübergreifend sind oder gar nicht meine Themen sind, sondern unsere aller Themen. Und ich freue mich einfach, wenn die Leute denken und das Gefühl haben, jo, die geht nach vorne, die macht mir Mut, die kann mich inspirieren und wenn die das kann, dann kann ich das doch auch. Und genau das ist der Punkt. Wir sind ja alle gleich und der eine kann dies mehr, der andere das, aber wir können alle irgendwas und haben Spaß an irgendwas und mir gefällt das einfach, das rauszukitzeln und die Leute dann so ins Machen zu bringen. Das ist so mein Ding.

00:19:37: Lea Ja, super spannend auf jeden Fall. Also ich habe mich in vielen auch schon so wiedererkannt, weil genau dieses, ja, irgendwie der eine Weg endet und dann findet man aber trotzdem immer wieder seinen Weg und dieses, was genau macht man denn jetzt eigentlich? Das mal so in Worte zu fassen. Also das ist sehr viel, was ich von mir auch kenne und es ist irgendwie auch schön zu hören von jemandem, der das einfach schon ein paar Jahre länger macht, so dass das auch irgendwie funktioniert. Und das ist eben nicht dieser eine Standardweg, ist der für alle funktioniert.

00:20:03: Tina ja kein Standardweg. Und auch Nicht, dass man 20 Jahre im selben Job oder in der gleichen Umgebung oder wie auch immer verhaftet ist. Also sich neu zu erfinden klingt immer so, ich streife meine alte Haut ab und bin jemand anderes. Das meine ich gar nicht. Aber dass man ruhig auch noch mal die Richtung wechseln kann, wie auch immer und das gar nicht so schlimm ist und auch gar nicht so viel Angst machen muss, so man bleibt ja immer noch der gleiche Mensch mit seinen Fähigkeiten und kann sich bestenfalls weiterentwickeln. Und das finde ich schön, wenn die Leute da so mitgehen und denken, ja stimmt, hat sich gut angefühlt, dass ich den Schritt gegangen bin. Klar gibt's manchmal Rückschritte oder auch echt blöde Erfahrung, aber so ist halt das Leben.

00:20:51: Lea Ja, wir haben da tatsächlich in unserer letzten Folge auch ganz viel drüber gesprochen. Vielleicht hast du ja irgendwie einen Tipp für jemanden, der gerade, weiß ich nicht, vor so einer Herz gegen Kopf Entscheidung steht oder eigentlich weiß, was er möchte und sich aber irgendwie doch nicht traut. Gibt es da irgendwas, was du mitgeben kannst?

00:21:08: Tina So pauschal ist das sehr schwierig, aber nee, ich musste immer denjenigen hören dazu, damit ich den so ein bisschen erfühlen kann, um zu sehen, was ist das für ein Typ Mensch. Und manchmal ist es ja auch so, dass Leute denken so, boah, ich würde mich super gern selbstständig machen mit keine Ahnung was und eigentlich sind sie aber gar nicht der Typ dafür, weil sie eben super sicherheitsliebend sind, wenig risikobereit und das meine ich nicht wertend. Und es muss auch nicht jeder selbstständig sein oder der große YouTuber oder Influencer, so, ne? Also das Wichtigste ist halt, dass du dich wohlfühlst so und vielleicht kann man auch parallel fahren. Ich glaube, das hatte ich auch auf den Creator, der es erzählt. Man muss ja jetzt nicht da direkt von A nach B switchen, wenn man A hat. Also nehmen wir mal an, man ist in einem Angestelltenverhältnis und denkt, boah, ich würde gerne nebenbei, keine Ahnung, mich selbstständig machen mit Blumenbinderei, dann mach das doch nebenbei erstmal. Nebenbei heißt für mich nicht klein denken, sondern zu gucken, Schaffe ich das vom Pensum nebenher? Brenne ich da auch nach, weiß ich nicht, drei Monaten noch, vier Monaten nach einem Jahr noch dafür? Wie sieht das aus? Schaffe ich es, Kunden zu rekrutieren und so weiter? Und dann kann man ja wieder neu entscheiden.

00:22:31: Carina Ja, voll. Und ich finde, was bei dir so schön ist, was so rausklingt, dass es ja auch keine Schwäche ist, wenn man dann merkt, ach, das ist es vielleicht doch nicht, sondern dass es einfach ein Ausprobieren ist. Und egal, ob es jetzt Equimero ist, wo du Jahre reingesteckt hast und dann gesagt okay, hier endet der Weg oder ob es jetzt das Beispiel, was du gerade genannt hast, ist manchmal ist es einfach so, dass es eben wirklich für eine gewisse Zeit passt und dann nicht mehr. Und das finde ich aber so wichtig, dass das wirklich rauskommt. Das ist nichts Schlimmes, sondern auch das ist ja ein ganz normaler Weg, aus dem man lernen. Ja, genau.

00:23:04: Tina Ich glaube aber man darf da ruhig noch mal differenzieren. Also ich bin kein Freund davon, tausend Sachen anzufangen, um zu gucken, ob mir das Spaß macht. So, weil ab einem gewissen Alter da sollte, sollte es vielleicht noch Feinschliff geben, aber da sollte ich wissen, ob ich Golf Profi werden will oder eben nicht. Ja, und bei Equimero war es tatsächlich so oder auch mein meine Selbstständigkeiten, die ich vorher hatte, die habe ich mit vollem Herzblut gemacht. Da wusste ich, da habe ich nicht gesagt, ich probiere jetzt mal und gucke, ob das was wird. Ich war mir total sicher, dass das was wird, weil sonst hätte ich es nicht gemacht. Also das ist schon so, ich ich versuche jetzt nicht ein Triathlon zu laufen, weil ich mal gucken will, ob das klappt. Also wenn ich da antrete, was ich nie tun würde, dann will ich vorne mitlaufen. So, ne? Also und dieses so ein bisschen probieren, das funktioniert auch nicht, weil wenn du etwas nur ein bisschen machst, dann glaube ich, kann es auch, kann es einfach nicht klappen, weil du ja nicht 100 Prozent gibst. Ich meine damit, dass man also man sollte 100 Prozent überzeugt sein oder da reingeben, wenn man etwas starten möchte. Wenn man aber nach einer Zeit merkt, das wird mir zu viel, ich kriege das nicht hin, ich habe keine Kunden, was auch immer. Und man wird müde und einfach deprimiert und sagt auch vorher fand ich es besser so wie es war, dann kann man das ja wieder umändern, so, ne?

00:24:31: Carina Ja, verstehe ich total. Ich glaube, das war auch gut, dass du das am Ende noch mal dazu gefügt hast, weil sonst kann so ein bisschen der Eindruck entstehen, du musst es nur 100 Prozent wollen, dann klappt es auch. Und das ist ja leider nicht so einfach. Also wenn es einfach wäre, dann bräuchten wir alle keine Beratung.

00:24:47: Tina Ich manifestiere mir Geld und sonst was. Also da habe ich so ein bisschen so eine Allergie dagegen. Also so leere Versprechungen oder irgendwelche Versprechungen, dass ich meine, schlussendlich liegt an einem selber und an vielen Umständen und auch ob man zur richtigen, am richtigen Ort ist, ob man den Nerv der Zeit trifft und so weiter und so weiter. Aber ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, dass man das merkt ziemlich schnell so, dass man spürt, oh geil, das könnte was werden, das Produkt ist super oder meine Idee ist gut, was auch immer. Und dann verfolgt man das und dann wird's auch was. Aber das heißt nicht, dass sie jetzt Du musst nur fest dran glauben und alles dafür tun, dann funktioniert Bullshit, weil es sind ja auch noch Millionen andere Menschen. Und wenn du meinst, du hast das perfekte Hundekörbchen erfunden, heißt das noch lange nicht, dass die Welt das auch so sieht und da kannst du auch das tollste Marketing haben und weiß der Geier was. Ja, da spielen einfach mehrere Faktoren zusammen.

00:25:46: Carina Ja, total. Also das finde ich halt, bin ich ganz auf deiner Seite und das war mir jetzt nur noch mal wichtig, das zu betonen, Aber das hattest du ja im Prinzip vorher halt auch gesagt, dass es halt eben nicht das ist, ich muss es nur genug wollen, dann funktioniert es, sondern genau das. Man muss natürlich dahinter stehen, weil sonst wird es schwierig. Und was ich auch wichtig finde, was du gesagt hast, ist auch zu Brenne ich dafür auch nach Monaten noch, auch nach einem Jahr noch? Weil ich meine, das kennen ja auch sicherlich viele. Man hat erst mal eine Idee und ist erst mal total begeistert und dann kommt irgendwo natürlich auch die Realität. Und die Realität ist ja auch durchaus manchmal so, dass es am Anfang schwierig ist oder dass es auch einfach die Vorstellung eine andere war, wie das aussehen würde, das Leben in diesem Beruf. Und von daher finde ich das sehr wichtig, dass man auch das für sich klar hat. Kann sich ja durchaus verändern, kann man ja auch ausprobieren, ist das so, wie ich mir das vorstelle? Also mit der richtigen Einstellung reingehen und dann aber auch realistisch rangehen und sagen, okay, ich prüft das noch mal gegen sozusagen.

00:26:48: Tina Ja, ich habe da auch schon viel Federn gelassen in Form von Geld, denn in dieser Interimsphase Equimero wusste ich, geht zu Ende für mich. Und dann, ich war ja immer so 1000 prozent macher und immer am Wuseln, dann habe ich gedacht, du musst schnell was finden. Und dann habe ich auch im medizinischen Bereich tatsächlich ein Thema gefunden, was mich super interessiert hat, habe da Geld für eine Ausbildung ausgegeben und habe damit begonnen und habe dann aber ziemlich schnell gemerkt, das ist total interessant, aber es ist nicht meins. Ich werde kein Therapeut oder sowas. Es war wirklich geil. Ich finde es auch heute noch interessant, aber nicht so, dass ich mich da sehe, damit zu arbeiten. Und das war natürlich eine sehr teure Lernerfahrung, aber so ist es halt manchmal. Und auch da, also da sage ich ja scheiße, das Geld ist jetzt weg, aber du hast ja noch die ganzen Unterlagen und wer weiß, vielleicht kommen sie später drauf zurück oder so, weil ich auch so ein bisschen satt war von dieser Pferdebubble irgendwie und dachte, ich kann plötzlich da raus, aber ich merke, ich kann das nicht und wahrscheinlich, weil ich es gar nicht will, weil da einfach meine Wurzeln liegen. Wenn ich jetzt als Speakerin gebucht bin, dann ist das außerhalb der Bubble auch wie ich ja schon gesagt habe, das müssen ja keine Pferdethemen sein, aber ich arbeite viel mit Menschen zusammen und mit Themen, die eben das Thema Reitsport betreffen und das macht mir auch Spaß. Also ich bin ja selber seit, weiß ich, 50 Jahren dabei mit Pferden.

00:28:15: Carina Ja, ich glaube, da kommt man auch nicht so leicht raus, wenn man einmal drin steckt. Das ist ja auch was Schönes im Prinzip und trotzdem auch toll, wenn man dann sagt, okay, man kann die Fühler ein bisschen auch in eine andere Richtung ausstrecken und schauen, wo passen meine Themen vielleicht auch hin, Weil ich meine, die Pferde Themen sind ja oftmals letztendlich Menschenthemen, sage ich mal. Und das ist ja dann auch wieder übergreifend in viele Bereiche.

00:28:40: Tina Genau,

00:28:42: Carina ja, sehr schön. Ich finde, das klingt total toll, was du machst. Gibt es irgendwas zu deinem Job, zu Schweden, zum Auswandern worüber wir bisher nicht gesprochen haben, was dir aber noch wichtig ist, dass wir noch das thematisieren, wo wir vielleicht gar nicht dran gedacht haben?

00:28:56: Tina Ach, bestimmt eine ganze Menge. Ja, weiß ich nicht. Stellt mir einfach alle Fragen, die ihr habt. Ich bin immer so vom Typ her, ich bin zwar sehr kommunikativ, aber ich versuche nicht, die anderen Leute so zuzutexten von mir, weil ich immer denke, vielleicht ist es nicht interessant oder deswegen, ihr dürft gerne alles fragen, alles, alles, alles. Und dann antworte ich auch wahrheitsgemäß. Ja, sagt mir einfach, was ihr wissen möchtet. Freie Auswahl.

00:29:29: Carina Dann würde ich mal eine Frage stellen, die ein bisschen vielleicht unverschämt ist. Du musst natürlich nicht antworten, in welchem finanziellen Bereich bewegen wir uns für so eine Auswanderung? Weil ich, also natürlich ist mir klar, ganz viele Faktoren spielen eine Rolle, aber ich meine jetzt wirklich rein das Auswandern. Du musst auch keine eindeutigen Zahlen nennen, sondern nur so, dass man mal einen Anhaltspunkt hat, weil ich habe da gar keine Idee zu.

00:29:53: Tina Ja, es hängt ein bisschen davon ab, ob man viel selber macht. Sprich, mietest du dir einen Transporter und packst da deine Sachen ein und wickelst jeden Teller selber ein und schaffst das ganze Zeug irgendwie nach Schweden, Dann wird es natürlich günstiger. Ich habe damals ja mehr als Vollzeit gearbeitet, war mit zwei Kindern alleinerziehend, also gut, meine Tochter ist dann gerade 18 geworden, aber und hatte da gar keine Zeit zu. Ich war ja voll bei Equimero drin und hatte auch das Geld damals, um sagen zu können, hier unter Umzugsunternehmen bringt das und das mit, Ich habe so und so viel Quadratmeter, da gibt es dann so eine Liste, da musst du alles ankreuzen, was weiß ich, Ecksofa, Schrank, Küche, 150 Teile, was weiß ich. Und dann dementsprechend berechnen die das, bringen Leute mit und dann packen die da, wühlen die in deinen Sachen rum im Prinzip, packen alles ein, packen es auf den LKW und dann bringen sie es halt nach Schweden. Also das ist ein sehr, sehr teurer Posten, aber man muss sich halt immer überlegen, ich bin ja auch ein teurer Mitarbeiter in meiner eigenen Firma gewesen und deswegen, wenn ich das selber gemacht hätte, hätte ich dann in der Firma gefehlt und so weiter und so weiter. Also das ist so ein Punkt. Ansonsten ist es, es ist ja wie ein normaler Umzug, na klar, du hast ein paar Formalitäten, du musst dich aus Deutschland abmelden, das musst du in einem bestimmten Zeitraum tun, das Kind von der Schule abmelden. Ganz wichtig ist, dass du dich um eine Auslandskrankenversicherung kümmerst bzw. Das klärst mit deiner Krankenkasse, dass du noch mindestens ein Jahr lang auch im europäischen Ausland versichert bist und dann fängt die Rennerei von Ort vor Ort dann wieder an, melde dich an und so weiter. Schule, Kind. Also das hat sich auch schon total geändert. Also ich weiß, dass ich damals für diesen Umzug, für dieses Umzugsunternehmen alleine 6000€ bezahlt habe. Das ist 5 Jahre her. Ich weiß, dass es jetzt teilweise 9000 kostet aufgrund der Spritpreise und dies, das, jenes. Also das ist schon nicht so günstig. Aber wie gesagt, man kann ja auch vieles selber machen.

00:32:00: Carina Ja gut, das habe ich mir gedacht, dass es natürlich eh immer individuell ist, aber ich bin da vielleicht auch einfach ein bisschen naiv. Aber ich habe mich einfach noch nie so richtig mit diesem Thema befasst und von daher fand ich das jetzt mal spannend, da eine Hausnummer zu haben.

00:32:14: Tina Es gibt ja auch so Auswanderer Checklisten, also wo du dann ankreuzen kannst. Also so als wenn man jetzt in Deutschland umzieht, dann kriegst du auch von deiner Bank manchmal so ein fertiges Formular hier, du musst noch ein ADAC anrufen, dass du angezogen bist, dies, das, jenes. Und so ist das halt auch, wenn man auswandert. Also ich hatte eine Excel Tabelle und habe mir da Sachen und Kosten reingeschrieben und ja genau.

00:32:40: Carina Ja, sowas ist natürlich auch immer wichtig. Und vielleicht noch mal so gerade auf mentaler Ebene, hattest du irgendein Learning oder irgendeine Herausforderung, wo du davor standest und dachtest, huch, damit habe ich gar nicht gerechnet und wie gehe ich jetzt damit um, Wo ja dann oft ein Learning raus entsteht. Deswegen diese Doppelfrage sozusagen,

00:33:02: Tina Ne? Ich war einfach offen für die neue Erfahrung. Ich war zu dem Zeitpunkt sehr, sehr abgearbeitet, sehr müde, sehr genervt von Deutschland und den Umständen und so ein bisschen, wie soll ich es ein mit einem dünnen Nervenkostüm. Und als ich dann in Schweden angekommen bin tatsächlich habe gesagt, wenn ich schwedischen Boden erreiche, dann steige ich aus und küsst den Boden. Und das habe ich auch echt gemacht. Und da fiel schon mal so eine Last ab von mir. Learnings. Also ich lebe ja nach dem Motto no regrets, also von daher ich bedauere nichts und Learnings ich, das waren eher so kleine Sachen vielleicht, ne? Aber nö, also ich weiß nicht, also ich glaube, wenn man einfach offen ist und alles so nimmt, wie es auch ist und nicht versucht das gleiche in Schweden oder wo auch immer man hingeht haben zu wollen wie in Deutschland. Also ich lasse mich auf die neue Situation ein, auf das Land, auf die Menschen. Ich fühle erstmal rein und mache nicht gleich den großen Larry und versucht da so ein bisschen die Vibes mitzukriegen und dann wird das schon alles gut. Und so war es auch. Also und so habe ich das auch meinem Sohn mitgegeben, der war ja damals gerade sechs Jahre alt geworden, also wirklich zwei Wochen vorher Geburtstag gehabt und dann habe ich den noch von Deutschland aus hier in der Vorschule angemeldet und wir sind glaube ich an einem Dienstag oder Montag angekommen und Donnerstag ist er in die Vorschule gekommen. Also ich habe den Dahin begleitet und der hat nach zehn Minuten gesagt, du kannst jetzt gehen, obwohl er die Sprache nicht verstanden hat und so. Aber ich habe ihn natürlich so erzogen oder habe ihn so begleitet, dass er sehr stark ist und auch nicht Angst hat und auch mit diesem Verständnis, alles wird gut und dieses Urvertrauen auch hat so und deswegen funktioniert es glaube ich auch.

00:35:11: Carina Ja, kann ich mir gut vorstellen, dass du ihm das so vorgelebt hast und mitgegeben hast und finde ich irgendwie schön mit der Einstellung so durchs Leben zu gehen und halt auch einfach das Positive zu sehen.

00:35:23: Tina Also ja, also für mich ist einfach total geil und das ist jetzt kein kein Geschwafel, sondern wenn ich mit meinem Sohn zum Stall fahre, das ist so ein fünf Minuten Fahrt, sechs Kilometer von da, wo wir wohnen und dann unterhalten wir uns so und dann sagt er manchmal, Mama, ich bin der glücklichste Junge der Welt und ich führe das beste Leben überhaupt und das ist ja nichts, was ich ihm jetzt vordiktiert habe, sondern es kommt dann einfach, weil er es so fühlt und dann frage ich manchmal, warum dies, das, jenes und dann kommt er mit ganz kleinen Sachen. Also das ist natürlich schon so, was ich ihm vorlebe. Ja, guck mal, wir haben einen schönen Platz zum Leben, wir haben zwei Pferde, was weiß ich, was er dann so erzählt. Gestern war ich angeln und so weiter. Also dieses Wertschätzen, auch diese Dankbarkeit und teilweise auch Demut, das fördere ich schon sehr und das lebe ich auch, das lebe ich selber auch. Ich stehe vor meinem Kind und sage, guck dir das an, haben wir es nicht schön? Und natürlich ist dann auch etwas, ist das auch etwas, was die Kinder dann mitnehmen. Und also es kann ein schön geformter Stein sein oder wie gesagt, dass wir Spaziergang gemacht haben oder was auch immer. Es muss nichts Großes sein. Von daher, das finde ich vielleicht so auch so einen kleinen Unterschied zu Deutschland, dass man Deutschland ist für mich eher konsumgetrieben als dieses Land und man hat einfach an jeder Ecke kann man irgendwas kaufen und man ist schnell da. Das ist hier nicht so. Das heißt, die Verlockung ist nicht so groß. Und ich finde der Fokus, so empfinde ich persönlich, das hier liegt auf anderen Dingen, auf nicht materiellen Dingen, vielleicht eher auf Erfahrungen, auf Natur. Und das finde ich halt geil. Und ich glaube, dass das allen Kindern gut tun würde und mir schon klar, dass nicht jeder nach Schweden auswandern kann oder will. Aber vielleicht, wenn ich mir eins wünschen dürfte, wäre, dass Eltern einfach sehen, dass man Kindern nicht 5000 Sachen kaufen muss. Oder alles perfekt sein muss oder dass die ewig betüdelt werden müssen, sondern auch, dass sie einfach sich ausprobieren können und dass Kleinigkeiten Kinder total happy machen, wenn man sie mit ihnen zusammen macht.

00:37:40: Lea Da prägt deine Einstellung natürlich wahrscheinlich auch sehr deinen Sohn in dem Fall. Aber wenn du sagst, es ist auch einfach ein gesamtgesellschaftliches Ding da. Das würde mich aber noch interessieren. War dieser Optimismus bei dir schon immer so vorhanden oder hast du dir den auch irgendwann im Leben erkämpft?

00:37:56: Tina Ne, also dieses Urvertrauen in mich selber, das war tatsächlich schon immer da. Ich habe auch mal meine Mutter gefragt, ob das irgendwann angefangen hat oder durch irgendwas ausgelöst wurde, was auch immer sie sagt, nee, du warst schon immer so, immer vorneweg immer viel geredet und es ist ja nicht so, dass mir permanent die Sonne aus dem Hintern scheint oder ich nur positive Erfahrungen gemacht hat. Ganz im Gegenteil. Also ich würde mal sagen, dass ich auf Deutsch gesagt auch viel Scheiße gefressen habe, aber es hat mich nie so fertig gemacht, dass ich dachte, das war's jetzt oder davon erholst du dich nie wieder. Ne, also, ne, dazu war ich mir selbst zu lieb, also im Sinne von ich war mir viel wert so und habe deswegen nie daran gezweifelt, dass ich irgendwie nicht passe oder zu doof bin oder keine Ahnung was halt. Also ich habe mich nie über andere Menschen gestellt. Natürlich, das will ich damit gar nicht sagen. Aber dieses Gefühl nein, du bist okay, das hatte ich schon immer.

00:39:08: Carina Das ist wirklich toll, dass du das so sagen kannst. Ein bisschen schade, verstehe das nicht falsch, dass wir jetzt keine Botschaft haben. So kannst du dir das erarbeiten. Das wäre irgendwie für diejenigen, die jetzt Das würde ich auch gerne können, aber ich kann es nicht. Aber trotzdem natürlich auf ganz individueller Ebene superschön, dass du das so für dich erleben durftest bisher und weiter so leben kannst und auch weitergeben kannst. Das ist ja, glaube ich, total wertvoll.

00:39:38: Tina Also es gibt ja so klassische Tipps wie schreib dir jeden Abend mal fünf Sachen auf, die heute total gut waren und so. Und wenn man das so im Kopf durchspielt manchmal, dann ist das vielleicht ganz gut. Also dass man sagt krass, das Wetter war gut oder ich habe heute einen schönen Ausritt machen können oder was weiß ich, wenn man oft Kopfschmerzen hat, dass man sagt, ich hatte schon eine Woche keine Kopfschmerzen mehr, was auch immer. Oder ich habe einen schönen Tag mit meiner Familie gehabt, keine Ahnung. Also dieses bewusst machen, das ist, glaube ich, bei mir sehr, sehr ausgeprägt. Und das kann ja aber jeder. Also den Fokus wirklich mal weg von dem, was scheiße ist. Ja, weil wenn du es nicht ändern kannst, brauchst du darüber auch keinen Kopf zu machen. Ist einfach so. Und wenn du es ändern kannst, dann ändere es und dann wird es ja gut. Also es gibt eigentlich immer nur das Positive. Und von daher fang im Kleinen an. Dankbarkeit, Demut und Konzentrieren auf das, was schön ist und schön ist einfach.

00:40:39: Carina Ich würde sagen, das war im Prinzip schon fast das perfekte Schlusswort. Aber wir haben natürlich immer für unsere Gäste am Ende noch drei Fragen, die wir allen stellen. Die wollen wir dann auch entsprechend gerne dir stellen.

00:40:51: Tina Na, jetzt bin ich gespannt.

00:40:53: Carina Es ist nichts Schlimmes. Keine Sorge. Die erste Frage ist tatsächlich, was hilft dir denn im Alltag, um runterzufahren? Wenn du dir mal eine Auszeit nehmen willst, entspannen willst, was machst du dann?

00:41:06: Tina Ganz einfach, Ich gestalte meinen Tag so wie ich das möchte. Das heißt, ich brauche jetzt nicht so, oh Gott, zwei Wochen Urlaub endlich, sondern gerade hier in Schweden, wo das Wetter nicht immer geil ist und der Winter sehr lang, mein Arbeitstag ist geprägt vom Wetter. Also wenn die Sonne scheint, dann arbeite ich halt nicht, dann mache ich dann halt irgendwas Geiles draußen mit meinen Pferden. Wenn es drei Wochen durchregnet, dann schaffe ich unheimlich viel am Rechner. Also ja, das ist so meine Auszeit. Und noch dazu habe ich jetzt seit kurzer Zeit einen Hund und die ist schon ein bisschen älter, also 6 und sehr ruhig und die bringt da auch noch mal so eine gewisse, die entschleunigt so. Das ist ganz cool.

00:41:53: Carina Das ist schön zu hören, weil die meisten nennen da ihre Pferde und das ist cool, dass du jetzt einfach mal sagst, so der Hund, das finde ich eine schöne Abwechslung.

00:42:02: Tina Naja, die Pferde, die sind ja, also wenn ich morgens zum Stall gehe, klar ist man manchmal so, oh nein, es regnet und so, aber sobald man dann draußen ist, das werdet ihr ja auch kennen, ist schon wieder geil. Und ich kann dir sagen, ich bin seit November nicht mehr auf dem Pferd gesessen, weil das hier so krass war mit dem Eis, mit dem Schnee, es ging einfach nichts. Und trotzdem fand ich es geil, jeden Tag am Stall zu sein und da halt rumzupuzzeln oder eben auszumisten, was auch immer man da halt so macht. Und ja, also das entspannt natürlich auch.

00:42:38: Lea Ja, aber es ist trotzdem schön, dass man auch mal ein paar andere noch Perspektiven und Ideen hört, also nicht immer alle das Gleiche sagen. Machen wir doch weiter mit unserer nächsten Frage. Was war denn das Schönste an deiner letzten Woche?

00:42:52: Tina Ich glaube tatsächlich der Hund, weil den habe ich erst seit einer Woche. Das war sehr schön. Aber ansonsten ist, wie ich schon gesagt habe, es klingt immer so ein bisschen abgelatscht, aber es ist wirklich so. Also schön ist, wenn mein Sohn aus der Schule kommt und sagt, heute war es toll und können wir in Wald gehen. Schön ist, wenn es nicht regnet. Alles. Also ich kann da nichts Bestimmtes nennen. Also ja.

00:43:29: Carina das ist aber ja auch eine schöne Antwort zu sehen. Es gibt vieles, was schön war. Super. Dann würde ich sagen, kommen wir auch zur letzten Frage schon. Die nimmt jetzt noch mal ein bisschen Fokus auf das Pferd oder die ganze Pferdewelt. Gibt es etwas, was du gerne allen Pferdemenschen sagen würdest, was dein Wunsch für die Pferdewelt wäre?

00:43:53: Tina Mein Wunsch für die Pferdewelt ist ein Wunsch, den ich lange selber nicht gelebt habe. Und zwar habe ich ganz, ganz lange den Pferden meine Wünsche aufgezwungen im Sinne von, ich wollte als Beispiel springen, reiten, also musste das Pferd, was ich zu dem Zeitpunkt hatte, springen. Dann wollte ich Distanzreiten machen und habe ich auch gemacht. Dann habe ich, dann bin ich eben mit dem Pferd Distanz geritten und ich habe mich oft darüber hinweggesetzt, worauf hat das Pferd Lust und wozu hat das Pferd Talent. Und ich glaube, wenn man das machen würde, dann wäre das total geil, weil dann wäre das Pferd hochmotivierter und man würde Dinge an seinem Pferd und auch im Zusammensein mit diesem Pferd entdecken, die einen noch mal pushen und nach vorne bringen. Und deswegen lebe ich das jetzt so. Also mein Fjordpferd zum Beispiel, der liebt es vor der Kutsche zu laufen, der findet aber geritten werden echt blöd. Also da hat er keinen Spaß dran, also lasse ich sein. Mein Nordsvensk Wallach, der macht alles so ein bisschen mit. Aber das Geilste ist für ihn, wenn ich quasi fahre vom Boden aus und mit ihm durch den tiefsten Wald gehe, also wo alles kreuz und quer liegt, wo ich schon manchmal so denke, oh anstrengend. Aber er findet es halt geil, so als wenn er dann Bäume rückt, weil er das auch gelernt hat in jungen Jahren. Und das müsste ich eigentlich auch mal anfangen, kommt irgendwann. Aber dass ich dann so, ich sehe dann, wie die so Bock haben, wie die motivieren, die kleinen Ohren gehen nach vorne und die sind dann so richtig in ihrem Element und das mag ich und würde ich mir für alle Pferde wünschen. Also eigentlich merke ich gerade, ist es ein Wunsch, der sich ja mit dem, was ich auch mache, deckt. Also die Leidenschaften oder oder was man gerne mag, auch bei Menschen rauskitzeln, gucken, probier dich mal aus und dann eben fördern und das zusammen erleben.

00:45:59: Carina Ja, das wollte ich auch gerade sagen. Es ist so, dass sich der Kreis noch mal schließt zu dem, was du am Anfang gesagt hast.

00:46:06: Tina Ja, neue Erkenntnis, wow, Psycholohü, schau mal,

00:46:10: Carina hat sich doch der Podcast schon für dich gelohnt. Aber ja, wie schön, dass das einfach wirklich deine Perspektive ist zu jeder soll gefördert werden und das machen, was er gut kann und was ihm Spaß macht und ich glaube, da können wir uns auch sehr anschließen, dass es schön wäre, wenn die Pferde da noch mehr gesehen würden. Ja, sehr schön. Dann in dem Sinne glaube ich, das können wir unbedenklich so allen mitgeben und sagen einmal vielen Dank, dass du hier warst und so offen mit uns über alles gesprochen hast.

00:46:42: Tina Ich bedanke mich auch für die Einladung und falls euer Publikum noch Fragen hat, dann kann ich die auch gerne dann in Kommentaren oder wie auch immer beantworten. Immer offen für Kommunikation.

00:46:55: Carina Sehr gut. Das wird auch noch mal alles in den Shownotes sein. Also wenn da irgendwie noch Fragen sind, gerne einfach mal bei Tina vorbeischauen und da auch Nachrichten da lassen, noch mal nachfragen, wenn es irgendwelche Rückfragen gibt. Das ist immer schön, wenn das geht.

00:47:12: Tina Cool. Ja, ich danke euch sehr.

00:47:16: Lea Danke fürs Zuhören bei dieser Folge von Psycholohü. Wenn sie dir gefallen hat, hinterlass uns doch eine positive Bewertung und teile die Folge. Wir freuen uns über Feedback, Themenwünsche und deine Gedanken zum Thema. Du findest Carina auf Instagram unter @mindequus_carinawarnstaedt.

00:47:31: Carina Lea findest du unter@virtuelleAssistenz_Lea und den Podcast unter @psycholohü_Podcast. Alle Links findest du auch in den Shownotes. Folge dem Podcast auf der Plattform deiner Wahl und aktiviere die Benachrichtigungen, um keine weitere Folge zu verpassen.

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