#35 Zeigen wir alle Doppelmoral mit unseren Pferden?
Shownotes
Warum verhalten wir uns manchmal widersprüchlich gegenüber unseren Pferden? Einerseits behaupten wir, dass unser Pferd das Wichtigste für uns ist und wir es über alles lieben – andererseits wirkt unser Verhalten nicht so. Wir schimpfen, wenn es sich erschreckt oder nicht mitarbeiten möchte, oder reiten, obwohl das Pferd das gar nicht leisten kann.
In dieser Podcastfolge sprechen wir über die Doppelmoral bzw. die Einstellungs-Verhaltens-Diskrepanz unter Reiter*innen im Reitstall: Warum setzen wir oft unbewusst unterschiedliche Maßstäbe an? Welche psychologischen Mechanismen spielen dabei eine Rolle? Und wie können wir unser Verhalten bewusster reflektieren, um wirklich fair mit unseren Pferden umzugehen? Wir sprechen über kognitive Dissonanz, Attributionsfehler, sozialen Druck im Pferdestall und Ängste.
Höre jetzt rein und finde heraus, ob du dich in einigen Situationen wiedererkennst!
→Zu Carinas Beitrag →Zum Kleine Tante Beitrag
→Die erwähnte Folge zum Thema Vermenschlichen →Britta in der Folge zu Begegnung PferdeMensch →Britta im Adventskalender 2024 →Britta im Adventskalender 2023
Hier kannst du uns gerne folgen und schreiben:
→Zu Carinas Website →Carina auf Instagram →Carina als Autorin auf Instagram
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Transkript anzeigen
00:00:04: Psycholohü, der Podcast über Pferde und Psychologie.
00:00:07: Wir sind Carina Warnstädt, Pferdegestützer und Hypnose-Coach, mit abgeschlossenem
00:00:12: Psychologiestudium und Autorin.
00:00:13: Und Lea Schneider, Pferdeverhaltenstrainerin und
00:00:16: Unterstützung für Selbstständige als virtuelle Assistenz.
00:00:19: Wir nehmen dich mit in unsere Gedanken zu verschiedenen Themen aus dem Bereich
00:00:22: Pferd-Mensch-Beziehung und in spannende Interviews zu den Themen
00:00:25: Pferde und Psychologie.
00:00:29: Hallo Und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Psycholo-Hü.
00:00:34: Heute haben wir mal einen etwas anderen Aufhänger als sonst, weil wir einen
00:00:41: Zuhörerinnen-Impuls bekommen haben, und zwar hat die liebe Britta von Kleine
00:00:46: Tante uns gefragt, ob wir nicht mal über das Thema „Doppelmoral in der Pferdewelt"
00:00:52: sprechen möchten, so oder so ähnlich ist zumindest das, was wir
00:00:56: jetzt draus gemacht haben.
00:01:00: Ja, Carina, du hast wie immer die Folge vorbereitet.
00:01:03: Deswegen überlasse ich gleich dir mal das Wort.
00:01:06: Ja, danke schön.
00:01:07: Genau, Britta hat das Ganze angestoßen, hat da auch einen Beitrag selber schon auf
00:01:12: Instagram zugeteilt, den wir ja vielleicht auch mal verlinken können, den wir
00:01:16: jetzt ein bisschen als Aufhänger nehmen.
00:01:18: Und das Thema, was sie mir genannt hat, ist Einstellungsverhaltensdiskrepanz.
00:01:23: Damit steigen wir direkt mal wieder mit einem tollen Fachwort ein.
00:01:26: Herzlichen Glückwunsch. Es ist aber gar nicht so schwierig.
00:01:29: Einstellung, Verhalten heißt letztendlich genau das.
00:01:32: Wir haben eine Einstellung, die wir eigentlich ja repräsentieren
00:01:36: und das Verhalten, das wir zeigen, passt aber nicht zu der Einstellung und
00:01:39: deswegen gibt es eine Diskrepanz.
00:01:41: Also es ist im Grunde selbsterklärend.
00:01:43: Und was wir eben daraus gemacht haben, ist ein bisschen eher in Richtung Doppelmoral.
00:01:49: Also Doppelmoral an sich bedeutet ja, dass man sich in verschiedenen ähnlichen
00:01:55: Situationen unterschiedlich verhält und unterschiedliche Wertemaß
00:01:59: Stäbe oder so was anlegt.
00:02:01: Und das passiert häufig einfach unbewusst.
00:02:03: Und genau darüber wollen wir sprechen im Kontext von Pferden.
00:02:07: Wo fällt uns das auf?
00:02:08: Vielleicht auch bei uns selber sogar.
00:02:10: Und wie kommt das vor allen Dingen?
00:02:11: Was sind da die psychologischen Ursachen?
00:02:14: Genau, und da können wir eigentlich jetzt direkt mal loslegen?
00:02:17: Was fällt dir dazu ein oder hast du dich vielleicht auch schon
00:02:19: selber dabei ertappt?
00:02:22: Ja, ich finde, das ist wieder ein Thema, bei dem es relativ schwierig
00:02:27: ist, konkret zu werden.
00:02:30: Aber etwas, was, glaube ich, sehr, sehr weit verbreitet ist, auch bei
00:02:35: allen, die sich viele Gedanken um ihr Pferd machen und sich viel kümmern,
00:02:41: weil es oft auch einfach mit Unwissenheit einhergeht, dass man zwar immer das Beste
00:02:45: für sein Pferd möchte, aber manchmal einfach gar nicht weiß, was ist das Beste.
00:02:50: Manchmal weiß man, dass man nicht weiß, was es ist.
00:02:53: Manchmal denkt man, man weiß, was es gut ist für sein Pferd und tut eben trotzdem
00:02:58: aus Versehen etwas schlecht ist.
00:03:02: Ist so sehr hart, aber Thema Haltung ist unser Lieblingsbeispiel.
00:03:07: Wenn vielleicht der Impuls des Menschen ist: Okay, ich stelle es in eine schöne
00:03:11: große Box, damit es seine Ruhe hat und das Pferd hat vielleicht viel eher das
00:03:15: Bedürfnis, sich den ganzen Tag bewegen zu können oder andersherum.
00:03:20: Man hat ein altes Pferd, dem man immer noch einen schönen Lebensabend
00:03:25: ermöglichen möchte und das steht aber zum Beispiel in einer viel zu großen Gruppe
00:03:28: und kommt nicht mehr zur Ruhe und andersrum könnte davon profitieren, wenn
00:03:32: es vielleicht sogar nachts in einer Box schläft.
00:03:35: Das ist immer die Frage: Sieht der Mensch das dann?
00:03:38: Ist es eine bewusste Entscheidung, was das Thema Doppelmoral angeht?
00:03:44: So ist es wieder sehr abstrakt, natürlich, weil es kann ja auch sein, der Mensch
00:03:49: sieht das sofort, dann hat das ja nichts mit Doppelmoral zu tun, sondern
00:03:52: man probiert halt einfach aus: Was ist der Weg fürs Pferd?
00:03:54: Weil das kann man ja vorher auch manchmal einfach gar nicht wissen.
00:03:58: Ich glaube, schwierig, wird es da, wo man dann nicht sehen möchte, dass das, was man
00:04:04: mit dem Pferd tut, dem Pferd nicht guttut.
00:04:07: Was ein komplizierter Satz.
00:04:09: Ich glaube, da ist tatsächlich die Frage, ob man da von Doppelmoral reden kann.
00:04:15: Das war jetzt sehr komplex und theoretisch.
00:04:20: Ich weiß nicht, vielleicht hast du ein besseres, konkreteres Beispiel.
00:04:24: Ja, also das, was du jetzt zuerst genannt hast, das ist für mich eher so ein Fall
00:04:28: von gut gemeint, aber nicht gut gemacht.
00:04:31: Ich glaube, das ist dann noch nicht so richtig Doppelmoral, also gerade in dem
00:04:34: Bereich Haltung, weil das ja dann häufig eher sehr mit den Wertvorstellungen
00:04:39: einhergeht, also dass ich meinem Pferd etwas Gutes tun möchte
00:04:44: und einfach wo er vielleicht nicht weiß, dass es gar nicht so gut ist.
00:04:48: Was mir sehr konkret bei mir selber eingefallen ist, ist tatsächlich eine
00:04:52: Situation, die jetzt noch gar nicht so lange her ist.
00:04:55: Vielleicht können wir die einfach mal als Aufhänger nehmen.
00:04:58: Ich oute mich da jetzt ganz ehrlich einfach mal.
00:05:01: Da kann ich auch noch eine, glaube ich. Kann ich schon mal vorwegnehmen.
00:05:03: Ja gut, dann fange ich jetzt an und du darfst dann auch nachlegen.
00:05:07: Genau, die Situation war folgende: Ich bin ja normalerweise sehr dagegen, wie
00:05:14: sage ich das – deutlicher gegenüber meinem Pferd zu werden, wenn es nicht nötig ist.
00:05:19: Und vor allen Dingen bin ich sehr dafür, dass da die
00:05:27: Ursachen gefunden werden und dass das auch verstanden und akzeptiert wird.
00:05:32: Und ich hatte jetzt ein Coaching mit einem Jugendlichen, noch nicht ganz
00:05:38: Jugendlichen, mit einem Jungen.
00:05:39: Und da war es so, dass mein kleines Pony
00:05:44: Pepper an dem Tag nicht so richtig viel Lust auf Coaching hatte.
00:05:50: Das hatte jetzt wirklich gar nichts mit dem Jungen zu tun.
00:05:52: Es war einfach ein sehr kühler Tag, es hatte auch ein bisschen geschneit.
00:05:56: Ich weiß, das ist immer schon so eine Grundvoraussetzung, wo Pepper dann auch
00:05:59: vielleicht schon mal ein bisschen lustig werden kann.
00:06:01: Und genau das war tatsächlich der Fall.
00:06:03: Also während des Coachings hat Pepper nicht wirklich eingesehen mitzumachen,
00:06:09: hatte ganz andere Vorstellungen, wie er seinen Alltag verbringen wollte und
00:06:12: hat dann auch sehr aktiv versucht, den Jungen zum Spielen aufzufordern, was
00:06:17: nicht sehr positiv für mich jetzt war, zumal das natürlich einem Jungen auch
00:06:23: Angst machen kann, je nachdem, wie so ein Pferd da reagiert.
00:06:28: Und da bin ich dann doch mal recht deutlich gegenüber Pepper geworden, was
00:06:32: ich eigentlich in dem Moment wusste, dass es a) nichts bringt, weil ich dieses
00:06:36: Verhalten nicht durch Strafe unterbinden konnte.
00:06:41: Das war mir eigentlich klar.
00:06:43: Und b) weil ich mich so auch in einem Coaching gar nicht präsentieren möchte.
00:06:47: Das widerspricht völlig meinen Werten.
00:06:51: In jeder anderen Situation hätte ich gepredigt: „Das Pferd möchte jetzt gerade
00:06:57: gerne spielen und wir müssen das jetzt akzeptieren und im
00:07:01: Zweifelsfall halt abbrechen.
00:07:03: " Und ich habe aber da entgegen meiner eigenen Wertvorstellung im Grunde
00:07:07: genommen gehandelt und habe das aber auch in dem Moment schon bemerkt.
00:07:13: Genau, vielleicht können wir das als Beispiel nehmen, weil das gut zu dem Satz
00:07:18: passte, den Britta mir gesagt hat: „Mein Pferd ist das Allerwichtigste,
00:07:22: aber in dem Fall war jetzt wichtiger, dass das Coaching irgendwie
00:07:28: funktionierte und das Pferd funktionierte", so blöd das jetzt klingt.
00:07:34: Ja, das ist gerade noch mal zurück zu dem Haltungsthema, was ich eben hatte, auch so
00:07:38: ein typisches Beispiel, dass man zwar einen guten Stall sucht, aber am Ende
00:07:44: dann doch wichtiger ist, dass man einen kurzen Weg hat oder irgendwie so was.
00:07:47: Ja, genau.
00:07:47: Das wäre klassisch für das Beispiel, würde ich auch sagen.
00:07:50: Möchtest du jetzt erst mal dein Beispiel noch nennen oder sollen wir
00:07:53: bei meinem Beispiel bleiben?
00:07:56: Vielleicht erzähle ich erst mal meins, dann haben wir jetzt ein paar
00:08:01: Vergleichsituationen.
00:08:01: Und zwar war ich letzte Woche auch im Stall privat für mich und
00:08:06: es war schönes Wetter.
00:08:07: Ich hatte Zeit, also habe ich gedacht, okay, statt dem Spaziergang reicht die
00:08:11: Zeit heute auch für einen kleinen Ausritt.
00:08:13: Dann hatte ich nämlich noch genug Zeit zum Fertigmachen, Satteln, bla bla,
00:08:17: was bei Spaziergangen einfach wegfällt.
00:08:19: Ich war aber trotzdem relativ angespannt innerlich
00:08:25: und es gibt ja so Pferde, da kann man sich draufsetzen um
00:08:29: runterzufahren, Julius gehört ganz sicher nicht dazu.
00:08:34: Ich gehe immer das erste Stück los, zu Fuß durchs Dorf und steige dann
00:08:40: zum Wald hin erst auf.
00:08:43: Und dann war es schon so, dass von weiter weg...
00:08:45: Da wurden Bäume gefällt.
00:08:47: Dann kam zur gleichen Zeit noch irgendein Hund von hinten.
00:08:50: Julius kennt eigentlich Hunde, warum auch immer war dieser Hund in dieser Situation,
00:08:54: in dieser Konstellation und mit meiner Spannung auf jeden Fall
00:08:57: irgendwie ein Thema.
00:08:58: Es kamen noch Autos und er wollte auf jeden Fall nicht ruhig stehenbleiben.
00:09:02: Das sind halt so große Steine, von denen ich immer aussteige.
00:09:05: Und da war ich dann schon ziemlich genervt und bin dann einfach zu Fuß weitergegangen
00:09:11: erst mal und habe gedacht: Gut, gehen wir zur nächsten Möglichkeit, wo ich
00:09:13: aufsteigen kann, weil hilft ja nichts.
00:09:16: Dafür kenne ich ihn lang genug, zu wissen, dass das jetzt nicht funktioniert,
00:09:20: da mich unter Stress draufzusetzen.
00:09:24: Und ja, auf den nächsten 10, 15 Minuten habe ich dann noch mal zwei, Gelegenheiten
00:09:30: gehabt, wo ich es probiert habe.
00:09:32: Da hat mir Julius aber sehr deutlich gezeigt: Okay, bevor du jetzt aussteigst,
00:09:35: kannst du erst mal laufen und atmen und ein bisschen deinen Stresspegel
00:09:38: runterfahren, weil sonst vorher lasse ich dich mal gar nicht hier drauf,
00:09:41: weil er kennt das auch, unterwegs irgendwo einzuparken, am an
00:09:45: einem Baumtumpf oder Bänken oder so, dass ich dann in Ruhe aufsteigen kann.
00:09:49: Das ist eigentlich kein Thema, was er kennt.
00:09:52: Dann ist dieser Hund auch noch die ganze Zeit die gleiche Strecke gelaufen wie wir
00:09:56: und erst waren die vor uns, dann haben wir die überholt, dann haben wir sie hinter
00:09:59: uns und die ganze Zeit war dieser Hund halt irgendwie ein Thema,
00:10:03: der eigentlich kein Thema sein sollte.
00:10:05: Und das war auch was, wo ich mich dann sehr ertappt habe, dann
00:10:09: fast schon sauer zu werden, weil ich weiß, Hunde sind eigentlich kein Thema
00:10:14: und die Strecke ist kein Thema.
00:10:17: Wir sind am Tag vorher die gleiche Strecke auch noch zu Fuß gegangen.
00:10:21: Dieses Sauerwerden, weil ich will aber doch jetzt reiten.
00:10:27: Obwohl mir mein Pferd sehr deutlich gezeigt hat: Nein, so nicht!
00:10:32: Und ich genau weiß: Nein, so nicht!
00:10:34: Was ich jedem anderen auch so raten würde, aber ich hatte diesen Plan und ich meine,
00:10:39: ich habe es ja auch nicht durchgezogen, bis es dann tatsächlich ruhig
00:10:42: genug war, dass es ging.
00:10:44: Aber das ist das, wo ich mich auch dann selber über mich geärgert habe die ganze
00:10:47: Zeit noch dazu, weil ich weiß, ich weiß es besser, ich weiß, das funktioniert
00:10:51: in dieser Konstellation nicht. Das kenne ich.
00:10:53: Und man sich quasi innerlich anschreit: „Jetzt beruhig dich doch mal!
00:10:55: " Was logischerweise nicht funktioniert.
00:10:58: Ja, ich weiß nicht, ob das so richtig zum Thema passt tatsächlich, aber ich finde,
00:11:04: das war doch so dieses: Ich weiß es besser.
00:11:07: Das ist was, was ich sehr gerne eben auch anderen sage: Ist ja kein Problem, wenn
00:11:13: es nicht geht, dann läufst du halt.
00:11:15: Ich meine, bei Julius weiß ich auch so, solange ich da nebenher
00:11:17: laufe, ist halt nichts.
00:11:18: Dann kriegen wir jede Situation irgendwie gelöst.
00:11:21: Wenn, wird der unruhig, wenn ich draufsitze.
00:11:24: Es gibt ja auch Pferde, wo das anders ist, aber da habe ich bei ihm kein Problem.
00:11:28: Also solange ich am Boden bin, komme ich da immer und überall irgendwie durch,
00:11:31: egal, welche Bombe da gerade einschlägt.
00:11:34: Aber das war tatsächlich so eine Situation, wo ich mich da eben
00:11:39: ertappt habe, weil ich es besser wusste.
00:11:41: Ich weiß auch, was Lösung gewesen wäre, wie ich mich runterfahren kann, aber es
00:11:46: waren dann irgendwie so viele Sachen auf einmal, die mich dann so frustriert haben.
00:11:49: Dann habe ich mich über mich selber geärgert, so weiter, dass
00:11:52: ich das so hochgepusht hatte. Ja, das wäre …
00:11:55: Es ist nur so halb ein Fall von Doppelmoral, weil ich hätte auch auf Zwang
00:12:00: an der ersten Stelle aufsteigen können.
00:12:01: Also wenn ich es drauf angelegt hätte, wäre ich da schon hochgekommen.
00:12:04: So ist es nicht.
00:12:05: Da habe ich mich ja schon bewusst dagegen entschieden und ich habe mich auch die
00:12:08: nächsten zwei Versuche noch bewusst dagegen entschieden und erst beim dritten
00:12:10: gesagt: Okay, jetzt haben wir genug Ruhe, dass es in Ordnung ist.
00:12:15: Aber ich glaube, das wäre so ein Fall, wo ich mich auch hätte anders entscheiden
00:12:20: können, direkt bei der ersten Stelle zu sagen: Nein, wir hatten
00:12:23: jetzt den Plan aus …
00:12:24: Nein, nicht wir, ich hatte den Plan aus, zu reiten.
00:12:28: Also setze ich mich jetzt auch drauf.
00:12:29: So oft mache ich das auch nicht mehr.
00:12:31: Deswegen möchte ich jetzt diese Gelegenheit für mich nutzen.
00:12:34: Das Wetter ist schön und so weiter.
00:12:36: Ich glaube, da habe ich noch so gerade am Rande die Kurve gekriegt.
00:12:40: Ja, würde ich auch sagen.
00:12:41: Dass es jetzt nicht wirklich unter Doppelmoral fällt.
00:12:45: Aber das war tatsächlich sehr spannend, weil ich während des Prozesses direkt die
00:12:49: Muster schon alle erkannt habe, was natürlich viel wert ist,
00:12:51: sie zu durchbrechen.
00:12:52: Aber da habe ich mich dann tatsächlich ertappt, Okay, das hätte jetzt
00:12:56: auch anders weitergehen können.
00:12:58: Also davon kenne auch etliche Situationen.
00:13:01: Ich glaube, da findet sich tatsächlich, gerade auch in deinem konkreten Beispiel,
00:13:05: finden sich wahrscheinlich viele wieder.
00:13:06: Ich glaube, das ist dieses ganz typische Ding von „Ich
00:13:10: habe aber doch jetzt diesen Plan, oder wahlweise auch, dass, das trifft jetzt...
00:13:15: Doch, auf meine Situation trifft es ein bisschen zu, je nachdem auch, ich will das
00:13:20: jetzt auch vor anderen nicht zeigen, dass es nicht funktioniert.
00:13:25: Ja, das ist tatsächlich auch was, was mich in dieser Situation enorm gestresst hat,
00:13:28: dass die ganze Zeit mit dem Hund die Spaziergängerin da rumlief und das
00:13:31: natürlich die ganze Zeit irgendwie mitbekommen hat,
00:13:34: dass ich da immer wieder versucht habe, mich an der Aufstiegshilfe zu stellen und
00:13:38: es dann aber doch wieder abgebrochen habe und so weiter, was mich dann auch so
00:13:42: wahnsinnig gestresst hat noch dazu, was aber dann zum Glück ich irgendwann
00:13:45: abkapseln konnte, weil sie dann auch wenigstens aus dem Blickfeld war.
00:13:48: Aber das kommt da ja mit rein. Total.
00:13:51: Ich glaube nämlich, dass das in ganz vielen von diesen Situationen
00:13:53: einfach ein Riesenthema ist.
00:13:56: In vielen Reitställen hat man das ja, dass man, ich
00:13:59: will ich sagen, permanent unter Beobachtung ist, aber zumindest das Gefühl
00:14:02: hat, es könnte jederzeit jemand mitbekommen, was man da so macht.
00:14:08: Und das ist dann natürlich sozialer Druck, der da immens reinspielt.
00:14:12: Wir hatten das bei der Folge rund das Thema Vermenschlichung schon mal
00:14:16: ganz kurz angerissen, mit den drei verschiedenen Motiven, die wir
00:14:20: Menschen so haben, die uns motivieren.
00:14:24: Das Leistungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv.
00:14:28: Da sind wir eben ganz klassisch im Bereich Anschlussmotiv.
00:14:30: Wir wollen eine soziale Bindung aufbauen, wir wollen Anerkennung von anderen haben,
00:14:37: eine positive soziale Situation herstellen und gleichzeitig Zurückweisungen oder
00:14:43: auch, dass wir irgendwie herabgewürdigt werden von anderen, natürlich vermeiden.
00:14:47: Das ist zwar bei Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt, aber grundsätzlich
00:14:51: haben wir schon alle in irgendeiner Form dieses Anschlussmotiv, wie gesagt,
00:14:55: unterschiedlich stark ausgeprägt.
00:14:57: Und ich glaube, dass das da häufig eine die riesengroße Rolle spielt.
00:15:01: Das kenne ich von mir zum Beispiel auch.
00:15:03: Ich glaube, dass es tatsächlich zwei große Faktoren sind beim Thema Doppelmoral,
00:15:07: die da eine Rolle spielt.
00:15:08: Du es gerade schon so ein bisschen gesagt hast, also ein Faktor
00:15:11: ganz klar einfach Ego.
00:15:13: Wie sehr kann ich mein Ego zurückstellen, generell vielleicht auch im Leben,
00:15:20: dass manchmal dann auch vielleicht einfach das Pferd das Ventil ist, wenn man den
00:15:24: ganzen Tag auf der Arbeit irgendwie runtergemacht wurde, dass man dann abends,
00:15:28: wenn man im Stall ist, denkt „Jetzt ist aber mal meine Zeit, jetzt bestimme ich"
00:15:32: um das mal so ganz platt zu sagen, dass das dann eine Rolle spielt.
00:15:37: Erst recht natürlich, wenn dann Leute zusehen und sehen, wie man „scheitert" in
00:15:44: Anführungszeichen, Wenn man gerade irgendwo nicht weiterkommt,
00:15:47: wenn man unbeobachtet wäre, viel eher sagen würde: „Okay, Moment,
00:15:52: stopp, durchatmen, neu ansetzen oder wir machen jetzt was anderes oder wir
00:15:55: machen gar nichts" oder wie auch immer.
00:15:57: Ich glaube, das ist tatsächlich ein Ein riesen Faktor, wenn es dieses Thema geht.
00:16:02: Warum wahrscheinlich das auch im Sport eine deutlich größere Rolle spielt als
00:16:09: bei Wald-und Wiesenreiter, es jetzt wieder die Extreme zu zeichnen.
00:16:13: Aber auch da hast du ja immer genug Leute, die-
00:16:16: Wollte ich gerade sagen. an der Bande stehen und urteilen.
00:16:18: Aber ich glaube, wenn die ganze Welt auf dich gerichtet ist,
00:16:22: ist das noch mal ein ganz anderes Extrem.
00:16:25: Und der zweite Faktor, den ich gerade noch im Kopf hatte, dass es, glaube ich, nie
00:16:29: nur ein Faktor ist, sondern wie jetzt bei uns beiden in den
00:16:33: Situationen auch war, dass da immer oder wahrscheinlich sehr häufig
00:16:39: einfach ganz viele Dinger aufeinander prasseln, warum es dann dazu kommt, dass
00:16:45: man gegen seine eigentlichen Werte handelt.
00:16:50: Und sei es eben das Thema auch wieder mit der Haltung, dass man nicht die beste
00:16:53: Haltung aussucht für sein Pferd, sondern die, die für
00:16:56: einen selber vielleicht bequemer ist, weil man vielleicht noch,
00:17:00: keine Ahnung, alleinerziehend ist und sonst einfach auch überhaupt nicht
00:17:05: klarkommt und das Pferd ja irgendwie auch versorgt
00:17:09: werden muss, dass man zum Beispiel sagt, man schafft es nicht anders.
00:17:11: Ich kann nicht jeden Tag noch eine Stunde im Auto sitzen, eine Strecke zu fahren,
00:17:16: wo man sich dann die Frage stellen kann: Kann man das anders lösen?
00:17:19: Kann man über Reitbeteiligung oder irgendwie Vollpension, was auch immer,
00:17:23: eine Lösung finden, aber Vollpension, alleinerziehend, dann ist das Geld
00:17:26: wieder eine Frage und so weiter.
00:17:28: Da fangen wir schon an uns zu drehen, dass es eben nicht dieser eine Faktor ist,
00:17:33: sondern dass da wieder ganz, ganz viel zusammenkommt, dass man
00:17:36: gegen besseres Wissen vielleicht auch Dinge
00:17:42: mit seinem Pferd macht, die man selber eigentlich gar nicht für guthalten würde
00:17:46: oder weil man Reitbeteiligung ist und nicht die Möglichkeit hat, alles zu
00:17:51: verändern und dann, das das Übel ist, ich nehme Sache X in Kauf
00:17:57: und mache trotzdem das Beste für das Pferd aus dieser Situation oder gehe ich
00:18:01: komplett, weil ich diese Sache nicht ändern kann?
00:18:04: Ich glaube, dass es, wie immer, nicht einfach schwarz oder weiß
00:18:10: ist, sondern dass da so ganz viel zusammenkommt, weshalb es überhaupt
00:18:15: zu dieser Situation Doppelmoral kommt.
00:18:18: Auf jeden Fall, ja.
00:18:19: Also ich meine, das ist ja grundsätzlich bei allen Interaktionen eigentlich so und
00:18:23: allein schon, dass wir jetzt mindestens mal zwei Parteien haben, die da
00:18:27: aufeinandertreffen und im Zweifelsfall natürlich noch mehr.
00:18:32: Das heißt, natürlich gibt es da immer ganz viele Punkte, die da zusammenkommen.
00:18:38: Eine Sache, die wir jetzt noch gar nicht angesprochen haben, die ich aber für sehr
00:18:42: wichtig halte, ist etwas, was mir noch eingefallen ist,
00:18:46: nämlich auch wieder Angst, Unsicherheit oder Respekt vor dem Pferd.
00:18:53: Das traf jetzt in unseren Situationen, würde ich behaupten, nicht zu.
00:18:59: Aber Aber in anderen Situationen, wo ich in der Vergangenheit auch schon deutlicher
00:19:05: gegenüber meinem Pferd geworden bin, gerade so im Gelände oder so,
00:19:11: glaube ich, dass dann schon Unsicherheit im Zweifelsfall auch mal eine Rolle
00:19:14: gespielt hat und bei anderen wahrscheinlich auch spielen wird.
00:19:17: Denn häufig sind solche Unsicherheiten ja auch gar nicht bewusst,
00:19:22: sondern die sind irgendwo unbewusst, die sind internalisiert, weil wir das
00:19:25: vielleicht auch immer so mitbekommen haben, dass man da
00:19:29: vielleicht auch vorsichtig sein sollte, was vielleicht auch gar keine irrationale
00:19:33: Angst ist, sondern sehr sinnvoll.
00:19:36: Und dann hat das natürlich ganz viel damit zu tun, die Kontrolle zu behalten,
00:19:42: weil das Sicherheit gibt und gegen diese Angst wirkt.
00:19:45: Und was natürlich dann viel passiert, ist, dass Angst in Ärger sich zeigt.
00:19:52: Kann im Rahmen von einer fight-of-flight-Reaktion passieren,
00:19:56: muss aber nicht zwangsläufig.
00:19:58: Aber ich glaube, dass da, das, was viele im Kopf haben zu so was wie Doppelmoral im
00:20:04: Sinne von „Ich liebe mein Pferd, aber ich habe es trotzdem geschlagen" …
00:20:07: Jetzt habe ich den Anfang von meinem Satz
00:20:10: vergessen, aber auf jeden Fall, dass das da in solchen Situationen eben häufig eine
00:20:14: Rolle spielt, dass da eigentlich Angst abgebildet wird, die aber sich eher dann
00:20:19: in Wut, Ärger oder dem Versuch, Sicherheit und Kontrolle auszuüben dargestellt wird.
00:20:27: Ja, das kann ich auch direkt so unterschreiben, dass ich merke, es
00:20:31: gibt ganz wenige Situationen am Pferd, bei denen ich Angst habe oder unsicher werde.
00:20:38: Aber auch da merke ich ganz klar, dass wenn diese Situation
00:20:43: vorkommt, ich natürlich viel schneller auch mal unfair werde, als in Situationen,
00:20:48: in denen ich keine Angst habe.
00:20:50: Also das ist ja auch nur logisch, wenn man gerade im Zweifel um sein Leben fürchtet,
00:20:54: es jetzt mal ganz drastisch auszudrücken – es muss ja nicht das Leben sein – aber
00:20:59: seine eigene Sicherheit fürchtet, dass man dann auch nicht mehr rational handelt oder
00:21:04: in Ruhe überlegt, gesonnen handeln kann, sondern einfach eine Kurzschlussreaktion
00:21:10: kommt, ist ja auch völlig selbstverständlich.
00:21:12: Ich glaube, das wieder trifft sich ganz gut mit dem, was ich eben gesagt
00:21:17: habe, dass es meistens auch nicht dieser eine Faktor ist, sondern eben diese
00:21:21: Stresssituation, wo so ganz viel ist, was damit reinspielt, was ja erst mal gar
00:21:25: nichts mit dem Pferd an sich zu tun haben muss, sondern was man eben, wie
00:21:29: ich eben gesagt hab, von der Arbeit oder so schon mitgenommen haben, dass einfach
00:21:32: der Pegel in einem selber schon so hoch ist, dass dann
00:21:36: keine Frustrationstoleranz mehr vorhanden ist, fair mit dem Pferd umzugehen.
00:21:42: Ja, auf jeden Fall.
00:21:44: Das passt ja auch gut zu dem, was wir auch in der Angstfolge grundsätzlich
00:21:47: schon mal besprochen haben.
00:21:49: Aber da ist natürlich wichtig, finde ich, zu unterscheiden: Ist es eine Situation,
00:21:54: in der ich wirklich Angst haben sollte, weil sie tatsächlich gefährlich ist?
00:21:57: Das ist das, was ich auch vorhin schon mal versucht habe, anzusprechen.
00:22:02: Oder ist es eine Situation, in der mir etwas unbewusst Angst macht, was
00:22:08: vielleicht, gerade wenn man es objektiv betrachten kann, gar
00:22:11: keine Angst machen muss?
00:22:13: Und dann finde ich es wichtig, in solchen Situationen, dass man einen Weg findet,
00:22:17: sich da selbst wieder runterzubringen, damit man eben nicht in der
00:22:21: Kurzschlussreaktion handelt.
00:22:22: Denn ich glaube, da sind wir uns wahrscheinlich mit vielen einig, dass
00:22:28: in Situationen, in denen es wirklich gefährlich Ehrlich wird, man jetzt auch
00:22:31: vielleicht nicht so zimperlich sein muss.
00:22:33: Ich bin die Letzte, die sagt: Schlagt eure Pferde.
00:22:37: Aber ich denke, wenn die Situation kommt, wo man wirklich seine eigene körperliche
00:22:44: Sicherheit gewährleisten muss oder die von anderen oder wie
00:22:48: auch immer das Pferd könnte, weiß ich nicht, abhauen und in ein Auto reinrennen
00:22:51: oder so, dass man da auch anders handeln darf als in normalen Situationen,
00:22:57: ist, glaube ich, hoffentlich klar.
00:23:00: Genau, nur die Unterscheidung ist da eben wichtig: Ist das wirklich so
00:23:03: eine Situation oder nicht?
00:23:05: Ja, so Extremsituationen kommen ja dann doch zum Glück vergleichsweise selten vor.
00:23:10: Eben.
00:23:10: Bevor wir uns jetzt hier wieder zu sehr verrennen in unseren theoretischen
00:23:14: Gedanken würde ich gerne tatsächlich noch mal zurück zu dem Satz
00:23:19: „Ich liebe mein Pferd, aber…
00:23:21: " Hast du da noch mehr Ideen zu, in welchen Situationen so was vorkommt?
00:23:25: Dass wir noch mal ein paar konkretere Beispiele erst mal nennen und dann noch
00:23:30: mal vielleicht schauen, wo es herkommt?
00:23:32: Ja, also ich liebe mein Pferd, aber.
00:23:35: Ich glaube, da kann man ganz vieles finden.
00:23:38: Was mir sofort eingefallen ist, ist, da habe ich letztens auch einen
00:23:42: Instagram-Beitrag zu gemacht, in Richtung „Aber ich möchte unbedingt reiten".
00:23:48: Das ist jetzt erst mal ohne Wertung.
00:23:50: Ich glaube, dass das aber etwas ist, was recht häufig vorkommt,
00:23:54: wenn das Pferd eben nicht reitbar ist.
00:23:57: "Ich liebe mein Pferd, aber mir ist das Reiten
00:24:01: im Zweifelsfall wichtiger als dieses Pferd um mich zu haben" Wäre ein Beispiel.
00:24:08: Das wird wahrscheinlich niemand so ausformulieren, aber was
00:24:10: quasi dahinter steckt. Ich denke, du weißt, was ich meine.
00:24:14: Ja, ich glaube, das ist …
00:24:16: Wie kann man das denn ausdrücken?
00:24:17: "Ich liebe mein Pferd, aber es kann ja auch mal was für mich tun".
00:24:21: Ein Gedanke, glaube ich, dahinter, der da ist: ich kümmere mich so viel dieses Tier,
00:24:27: dann kann ich ja jetzt auch einfach mal eine Runde ausreiten oder in die Halle
00:24:31: gehen oder wie auch immer, ist ja völlig egal.
00:24:33: Ich glaube, das ist so ein bisschen ein Anspruchsdenken, so eine
00:24:37: Erwartungshaltung, dass das Pferd einem ja was zurückgeben muss.
00:24:41: Ich glaube, das ist tatsächlich ganz viel, woher dieses "Ja, aber" kommt
00:24:48: oder eben tatsächlich ein Nicht-anerkennen der Bedürfnisse
00:24:52: eines Pferdes, nicht sehen.
00:24:53: Da sind wir wieder am Anfang.
00:24:55: Das kann ja auch ein ganz unbewusstes Thema sein.
00:24:59: Klar, dann ist es nur direkt in Doppelmoral, aber wenn ich mich natürlich
00:25:01: öffentlich brüste, wie sehr ich auf die Bedürfnisse meines Pferdes achte und alles
00:25:05: gut und toll mache und dann aber eigentlich
00:25:08: zu gut deutsch darauf sch..., weil ich es nicht besser weiß, dann kann man da,
00:25:13: finde ich, auch schon ein bisschen von Doppelmoral reden, sofern nicht der
00:25:19: Wille da ist, sich damit zu beschäftigen.
00:25:21: Es gibt ja auch genug Leute, die tun ganz viel und die informieren sich ganz viel
00:25:25: und die wissen aber, dass sie noch am Anfang stehen.
00:25:28: Da finde ich, kann man absolut nicht von Doppelmoral reden, wenn man dann
00:25:32: offen und ehrlich anerkennt: Ich tue das, was jetzt gerade nach meinem
00:25:36: Kenntnisstand das Beste ist und ich bin dabei, mich weiterzuentwickeln.
00:25:41: Ich weiß, dass das vielleicht noch nicht das Ideal ist, aber jetzt
00:25:44: aktuell für das, was ich weiß, ist das unsere bestmögliche Situation.
00:25:49: Das, finde ich, ist eine ganz andere Situation, sich
00:25:53: als der tollste Hecht darzustellen und sich aber eigentlich für
00:25:57: gar nichts zu interessieren.
00:25:58: Da wäre dann in meinem im Sinne, die Doppelmoral tatsächlich angebracht.
00:26:03: Und ich glaube, das ist das, was ich ganz am Anfang meinte.
00:26:06: Anhand dieser beiden Beispiele ist es vielleicht ein bisschen klarer.
00:26:10: Ja, auf jeden Fall, finde ich schon.
00:26:12: Wenn wir da jetzt noch mal kurz in das Warum reingehen wollen.
00:26:16: Warum handeln wir dann so?
00:26:18: Du hast es ja gerade schon ganz gut eigentlich aufgedröselt.
00:26:21: Aber was ich da gerne noch mal benennen würde, ist aus der Psychologie
00:26:24: die kognitive Dissonanz.
00:26:27: Ja, wieder ein Fachbegriff.
00:26:28: Das ist im Grunde genommen eine Bezeichnung für dieses unangenehme Gefühl,
00:26:32: was wir haben, wenn unsere Überzeugungen nicht zu unserem Verhalten passen.
00:26:36: Also wenn wir uns in einer doppelmoraligen Situation befinden.
00:26:42: Das war, glaube ich, kein richtiges Deutsch, aber egal.
00:26:45: Und das, was dann eben passiert, ist, dass wir
00:26:49: das irgendwo bewusst oder unbewusst wahrnehmen und diesen Widerspruch
00:26:53: natürlich unangenehm finden.
00:26:56: Und in der Regel werden Menschen dann versuchen, den Widerspruch
00:26:59: in in der Form aufzulösen.
00:27:01: Das heißt, entweder passen sie ihr Verhalten an,
00:27:04: damit das wieder zu den Überzeugungen passt, oder die Überzeugungen werden ein
00:27:09: bisschen flexibler angepasst, damit sie zum Verhalten passen.
00:27:14: Ich will Deswegen, bei meinem Beispiel jetzt noch mal zu
00:27:17: bleiben von eben, also ich liebe mein Pferd, aber ich möchte
00:27:22: es eben auch reiten, dann ist vielleicht eigentlich meine
00:27:25: Überzeugung, man muss sein Pferd auch lieben und behalten, wenn man es nicht
00:27:31: reiten kann, aber ich verhalte mich entsprechend anders, weil ich sage, ich
00:27:36: reite jetzt trotzdem, auch wenn es meinem Pferd nicht gut damit geht.
00:27:39: Was ich dann wahrscheinlich innerlich mache, ist entweder, ich reite halt nicht,
00:27:44: dann haben wir aber keine Doppelmoral-Situation.
00:27:47: Oder ich finde genau die Erklärung, die wir
00:27:51: jetzt eben auch für uns gefunden haben.
00:27:53: Ich stecke ja so viel Zeit, Geld, was auch immer Energie in mein Pferd,
00:27:59: dann kann ich jetzt auch mal reiten, zum Beispiel, oder jegliche andere Erklärung.
00:28:05: Aber das ist das, was da ganz häufig passiert, diese kognitive Dissonanz.
00:28:09: Das finde ich sehr spannend, weil ich glaube, dass einem das sehr häufig im
00:28:13: Alltag begegnet, ohne dass man es wirklich merkt.
00:28:14: Und ich ertappe mich dabei auch hin und wieder, dass ich merke, da habe ich jetzt
00:28:19: irgendwie gerade meine Überzeugung angepasst, unbewusst.
00:28:23: Und im Nachhinein denke ich dann: Ach ja, kognitive Dissonanz.
00:28:27: Da war sie mal wieder.
00:28:28: Eigentlich ist das nicht meine Überzeugung.
00:28:31: Das mit dem Pferd, was nicht reitbar, nicht mehr reitbar wie auch immer, ist,
00:28:35: finde ich ein extrem gutes Beispiel, wenn wir das hier
00:28:38: nämlich jetzt mal einen Schritt weiterdenken.
00:28:40: Der Mensch weiß, dieses Pferd ist nicht mehr reitbar.
00:28:43: Der Mensch weiß aber auch, sein Ziel ist auf jeden Fall, er möchte reiten
00:28:48: und entscheidet sich jetzt zum Beispiel, dieses Pferd abzugeben in Hände, in denen
00:28:52: es gut versorgt ist, in denen es nicht geritten wird und sich
00:28:55: lieber ein anderes Pferd zu kaufen, auf dem auch kann.
00:29:01: Dann sind wir ja direkt wieder in einer Situation der Doppelmoral, wenn nämlich
00:29:05: jetzt von außen die Leute kommen und das Ganze bewerten.
00:29:09: Nur weil sie selber niemals ihr Pferd abgeben würde, auch wenn es nicht mehr
00:29:12: reitbar ist, hat dieser Mensch im Endeffekt in dieser
00:29:16: Situation für das Pferd eine gute Entscheidung getroffen, wenn er
00:29:20: selber nicht in der Lage ist oder willig ist,
00:29:24: sich dieses Pferd zu kümmern, nur weil es nicht mehr reitbar ist.
00:29:29: Ob das der der eigenen Wertvorstellung entspricht, ist ja da eine ganz andere
00:29:32: Frage, aber dann wird ja tatsächlich ganz schnell von außen da drauf herumgehakt:
00:29:36: „Ja, wie kannst du denn nur dein Pferd abgeben, nur weil es
00:29:39: nicht mehr reitbar ist?
00:29:39: Aber im Endeffekt hat ja dieser Mensch gerade eine gute Entscheidung
00:29:42: für sein Pferd getroffen.
00:29:44: Ob ich die nicht so treffen würde und gutheißen würde, ist ja
00:29:47: da eine ganz andere Frage.
00:29:48: Aber da sind wir ja tatsächlich direkt in der zweiten Ebene der Doppelmoral, dass
00:29:54: das so niedergemacht wird.
00:29:57: Ja, genau.
00:29:57: Das ist dann wieder der Bereich sozialer Druck, den wir die wir vorhin
00:30:00: schon angesprochen haben.
00:30:02: Und das zeigt wieder perfekt eigentlich das, was wir schon ganz
00:30:05: am Anfang gesagt haben.
00:30:06: Es sind eben immer oder in den allermeisten Fällen mehrere
00:30:10: Faktoren, die da reinspielen.
00:30:11: Das ist ganz selten einfach nur leicht erklärbar Warum ist das so und
00:30:17: wie löse ich das auf?
00:30:18: Du hast es gerade schon angesprochen, Thema kognitive Dissonanz.
00:30:22: Ja, rund ums Thema Doppelmoral: Hast du denn da auch
00:30:26: Tipps, wie man aus solchen Situationen rauskommt, wenn man sich
00:30:28: selber darin ertappt?
00:30:31: Ja, das ist natürlich eine ganz, ganz spannende Frage.
00:30:33: Das ist sicherlich schwierig, jetzt pauschal zu beantworten, weil wir ja schon
00:30:38: gesehen haben, es gibt so ein riesenbreites Feld an Situationen, wo
00:30:42: das passieren kann und auch Ursachen dahinter.
00:30:45: Aber wenn man sich noch mal kurz anschaut, wie entsteht kognitive Dissonanz und wie
00:30:50: reagieren wir darauf, dann bietet uns das ganz gute
00:30:54: Möglichkeiten, da anzusetzen und was zu verändern.
00:30:56: Das heißt, wir merken, bewusst oder unbewusst, dass dass da was nicht
00:31:00: zusammenpasst und wir wollen diesen Widerspruch auflösen.
00:31:05: Oder wir machen es vielleicht auch schon und bemerken es erst im Nachhinein.
00:31:08: Das heißt, dass wir uns aber im Nachhinein natürlich auch anschauen können, was war
00:31:11: denn da für ein Widerspruch und was sind eigentlich die Werte, die dahinter stehen.
00:31:17: Und was da auch häufig helfen kann, das hast du im Grunde genommen eben so ein
00:31:20: bisschen angerissen, ist, dass man mal einen Perspektivwechsel
00:31:25: macht und zum Beispiel sich fragt: Wie würde das Pferd das denn jetzt sehen?
00:31:31: Oder meine beste Freundin oder mein Partner, meine Partnerin?
00:31:35: Keine Ahnung.
00:31:36: Jemand, der mich gut kennt und der auch die Situation gut einschätzen kann.
00:31:41: Das führt häufig dazu, dass wir aus unserer eigenen
00:31:45: Wertvorstellung so ein bisschen rauskommen und auch eine objektivere Bewertung haben.
00:31:49: Denn wir neigen alle dazu, uns selbst auch gerne mal ein bisschen
00:31:54: positiver darzustellen, als das vielleicht richtig ist.
00:31:59: Es gibt auch genug Situationen, in denen wir uns selbst schlechter machen, gar
00:32:01: keine Frage, aber so Ursachenzuschreibungen für
00:32:04: Verhalten, sprich Attributionen, machen wir meist selbstwertdienlich.
00:32:09: Wir versuchen, unser Verhalten so zu erklären,
00:32:13: dass sie unseren Selbstwert stärkt.
00:32:16: Das heißt, wenn wir was Positives machen, dann ist das …
00:32:19: Also wenn wir etwas Positives schaffen, vielmehr, also
00:32:21: keine Ahnung, wir haben ein Turnier erfolgreich absolviert, was weiß ich.
00:32:27: Dann lag das an unseren Fähigkeiten oder an unseren Mut oder was auch immer.
00:32:32: Und wenn das nicht gut gelingt, dann würden wir es eher extern
00:32:36: attribuieren, also war es Pech oder es war das Wetter oder das Pferd.
00:32:40: Und diesen Perspektivwechsel zu machen, das kann eben dabei helfen, dass wir in
00:32:44: diesen Fehler nicht tappen und dass wir da mal merken, was ist denn da der Wert, der
00:32:49: dahinter steht und den wir vielleicht ein bisschen auch gerade vor
00:32:52: uns selbst versteckt haben.
00:32:54: Und das ist natürlich der erste Schritt, zu sehen:
00:32:57: Wie möchte ich das denn in Zukunft Denn nur wenn wir das wissen, können wir
00:33:03: ja unser Verhalten überhaupt ändern.
00:33:05: Und nicht immer, wenn wir uns entgegen unserer Werte verhalten,
00:33:11: muss die Konsequenz daraus ja sein: Ich muss zwangsläufig in zukünftigen
00:33:14: Situationen mein Verhalten ändern.
00:33:16: Rein theoretisch kann die Erkenntnis auch sein: Vielleicht sind meine
00:33:21: Werte auch tatsächlich zu streng.
00:33:24: Vielleicht treffen die nicht auf alle Situationen zu.
00:33:27: Das kommt natürlich wieder ganz drauf an, aber deswegen wäre meine Empfehlung auf
00:33:31: jeden Fall zu schauen, wenn man das im Nachhinein bemerkt:
00:33:35: Was war der Wert, der dahinter gesteckt hat, hinter meinem Verhalten,
00:33:40: und macht den Perspektivwechsel.
00:33:43: Überleg dir, was dein Freund, deine Freundin deinem Pferd dazu denken würde zu
00:33:47: der Situation, wie diejenigen das eingeschätzt hätten?
00:33:51: Da hast du gerade tatsächlich ein Thema kurz angesprochen, wo
00:33:56: ich tatsächlich ein sehr persönliches Beispiel habe zum Thema Doppelmoral.
00:34:00: Das ist schon einige Jahre her mittlerweile.
00:34:02: Wir haben ja schon mehrfach erzählt, dass wir in einer ganz tollen Reitschule quasi
00:34:09: groß geworden sind und trotzdem habe ich mich irgendwann mal ein
00:34:14: bisschen verirrt als diese Reitschule geschlossen war und
00:34:17: hatte dann woanders Reitunterricht und durfte da auch mal ein bisschen
00:34:21: Turnierluft schnuppern, was bis zu diesem Zeitpunkt ja erst
00:34:24: mal alles nicht verwerflich ist.
00:34:26: Aber auch da habe ich mich dann tatsächlich ziemlich schnell in Situation
00:34:30: gefunden, die genau all das vereint.
00:34:33: Du bist auf dem Turnierplatz, es sind unheimlich viele Augen dich herum, du
00:34:38: weißt es besser und trotzdem saß ich auf diesem Pferd,
00:34:42: ausgebunden, viel zu eng noch dazu.
00:34:45: Ich glaube, es war sogar ein einfacher Reiterwettbewerb
00:34:49: zu einem Zeitpunkt, wo ich eigentlich schon deutlich besser reiten konnte, aber
00:34:53: in dieser Turnierwelt damit erst mal starten musste, sage ich mal.
00:34:57: Und das war etwas, was mir sehr lange tatsächlich auch noch nachgelaufen ist.
00:35:03: Die Bilder gibt es auch noch.
00:35:04: Ich habe da noch so zwei, drei Fotos von und ich finde das erst mal per se auch gar
00:35:08: nicht verwerflich, aber da habe ich dann am eigenen Leib mal gespürt, wie schnell
00:35:13: man denn in so was reinrutscht und da Dinge macht mit dem Pferd, die man
00:35:17: eigentlich überhaupt nicht machen wollen würde und dass es total gestresst in
00:35:22: dieser Umgebung war, man unfair wird, weil man ja irgendwie
00:35:26: sein Gesicht wahren möchte und da irgendwie möglichst gut dastehen möchte
00:35:31: und dann genau das macht, womit man eigentlich zumindest vor sich
00:35:34: selber überhaupt nicht gut dasteht.
00:35:35: Aber das finde ich ein sehr, sehr gutes Beispiel dafür, weil das war, wie gesagt,
00:35:40: ein Zeitpunkt, wo ich es eigentlich schon immer hätte besser wissen müssen, weil wir
00:35:44: ja eben ganz anders mit den Pferden auch aufgewachsen sind, mit einem ganz anderen
00:35:48: Wissen und einer ganz anderen Einstellung.
00:35:50: Und trotzdem bin ich da in diese Situation irgendwie reingerutscht, sage ich mal.
00:35:55: Das klingt so sehr passiv.
00:35:58: Andererseits ist das auch in einem Alter gewesen, wo ich sagen kann, okay, das
00:36:03: kann man auch jungen Menschen nur bedingt vorwerfen.
00:36:08: Da waren ja auch erwachsene Verantwortliche dabei,
00:36:11: die das hätten anders regeln können.
00:36:13: Aber das finde ich tatsächlich ein tatsächlich treffendes Beispiel zum Thema
00:36:19: Doppelmoral, weil das genau das trifft.
00:36:21: Ich wusste es besser und ich habe es trotzdem gemacht.
00:36:25: Ja, das ist ein sehr, sehr gutes Beispiel.
00:36:27: Ich glaube, da können sich sehr viele wiederfinden.
00:36:29: Und was ich daran auch noch mal sehr wichtig finde, ist wirklich zu sagen,
00:36:34: das sind die Faktoren, die da reinspielen, warum unter anderem
00:36:39: wir auch häufiger schon mal unschönere Momente auf Turnierplätzen sehen.
00:36:45: Das ist natürlich noch mal ein Thema komplett für sich und da spielen mit
00:36:48: Sicherheit noch viel mehr Faktoren rein.
00:36:50: Das brauchen wir auch nicht alles schönreden, aber ich finde es schon
00:36:55: wichtig, auch da den Perspektivwechsel mal zu machen und sich auch klarzumachen, was
00:36:59: das für eine Situation auch für den Menschen ist und dass man schnell
00:37:03: da drinsteckt und dann anders reagiert, als man es vielleicht zu
00:37:07: Hause auch machen würde.
00:37:08: Da kann man auch mal Verständnis für haben.
00:37:10: Und gerade wenn man tatsächlich mit Kindern und Jugendlichen auf dem Turnier
00:37:14: ist die dann in einer Lebenssituation stecken, wo sie sich wahrscheinlich eh
00:37:19: beweisen wollen und die dann auf dieser Bühne dann schnell
00:37:24: garantiert Dinge tun, die viele Kinder eigentlich nicht mit werden
00:37:28: tun wollen oder ihr Bewusstsein, ihr Gefühl fürs Pferd da so
00:37:35: ein bisschen von außen genommen wird, möchte ich mal sagen, weil
00:37:38: eigentlich, das ist eben meine Erfahrung, dass Kinder viel, viel offener sind für
00:37:41: Pferde und viel eher noch das Verständnis für Gefühle haben
00:37:45: beim Pferd als viele Erwachsene.
00:37:47: Und ein letzter Punkt noch, bevor wir gleich vielleicht mal zum Ende kommen
00:37:51: und nicht wieder so maßlos immer ziehen.
00:37:54: Ich finde es auch ganz wichtig auf der anderen Seite, dass man nicht aus
00:38:01: diesem Moralgedanken sich am Ende des Tages wieder nicht traut, überhaupt
00:38:04: irgendwas mit dem Pferd zu machen, aus Sorge was falsches zu machen,
00:38:09: sondern dass man sich auch zugesteht, Fehler machen zu dürfen.
00:38:13: Es gibt Fehler, die darf man nicht machen, da brauchen wir nicht drüber reden, aber
00:38:16: dass wir alle nicht alles perfekt machen mit den Pferden,
00:38:20: ist ja nur klar und es ist eben was anderes, jetzt
00:38:24: zu sagen: „ch habe mich mal zehn Meter mit Stress auf das Pferd draufgesetzt,
00:38:28: war nicht so gut.
00:38:29: Oder natürlich Natürlich, ich bin völlig ausgerassert und habe das Pferd vermöbelt.
00:38:32: Das sind ja doch noch mal zwei völlig andere Welten.
00:38:35: Das ist mir tatsächlich noch mal wichtig, auch, dass man nicht
00:38:40: aufhört, überhaupt irgendwas mit dem Pferd zu machen aus dieser Sorge: „Oh Gott, was
00:38:44: ist, wenn ich denn jetzt was falsches mache?
00:38:46: " Und eben weil man weiß, dass man selber noch nicht so viel weiß oder dass man zwar
00:38:51: viel weiß, aber längst noch nicht alles und in diese Abweitspirale gerät: Oh
00:38:57: Gott, was, wenn ich denn jetzt noch was falsches mache mit dem Pferd.
00:39:02: Ja, und dafür sind wir auch alle nur menschlich und uns
00:39:05: passieren alle solche Dinge.
00:39:07: Und egal, wie viel man sich damit beschäftigt, es kann immer die Situation
00:39:12: aufkommen, dass man sich trotzdem nicht so verhält, wie man das
00:39:15: eigentlich von sich gerne hätte.
00:39:17: Ich glaube, dafür war es auch wichtig, dass wir auch noch mal gesagt haben, dass
00:39:20: uns das eben auch immer noch hin und wieder passiert.
00:39:24: Und das ist etwas, was ich im Reitsport manchmal noch nicht so oft sehe,
00:39:32: dass darüber auch öffentlich gesprochen wird und das auch akzeptiert wird.
00:39:38: Also das soll ja keine Entschuldigung sein im Sinne von: Du
00:39:43: kannst jetzt alles mit deinem Pferd machen und es ist völlig egal.
00:39:47: Aber dass man da auch ein bisschen die menschliche Seite noch sieht und eben
00:39:50: sieht, dass wir alle Fehler machen, egal, wie lange wir schon mit Pferden zu tun
00:39:54: haben, egal, wie lange wir uns mit uns selbst beschäftigen.
00:39:57: Und ich glaube, dafür war das jetzt mal eine wertvolle Folge, hoffe ich.
00:40:02: Ja, und ich glaube, tatsächlich jetzt sieht man auch ganz gut, dass wenn man
00:40:06: eben sich dafür öffnet, dahinzusehen, was denn überhaupt, wo man sich selber mit
00:40:12: Doppelmoral eigentlich schmückt, sage ich mal, dass dann sich die Grenzen
00:40:17: ja auch völlig verschieben.
00:40:18: Das haben wir jetzt gerade an dem Beispiel von mir.
00:40:20: Vor zehn Jahren saß ich da auf dem Turnier, wider besseren Wissens, habe ich
00:40:25: da auf diesem viel zu eng ausgebunden Pferd gesessen um
00:40:28: mich irgendwie zu präsentieren.
00:40:29: Ich weiß, in einer Prüfung war ich kurz davor, einfach aufzuhören und rauszugehen,
00:40:34: weil ich gemerkt habe, okay, das bringt hier ja gar nichts.
00:40:37: Und ich habe mich aber einfach nicht getraut, das zu tun.
00:40:40: Und jetzt bin ich heute hier und überlege: Kann ich mich jetzt auf das Pferd
00:40:44: draufsetzen oder bin ich noch zu gestresst?
00:40:45: Das sind ja jetzt ganz, ganz andere Maßstäbe.
00:40:48: Das finde ich auch noch mal gut zu sehen, wie man sich so entwickelt und
00:40:54: genau deswegen, wegen dieser Entwicklung andersherum auch mal eine Sorge, dass man
00:40:59: sich irgendwann so sehr in seinen eigenen Mini-Bereich zwängt, dass man sich
00:41:03: überhaupt nicht mehr traut, irgendwas zu tun, dass man
00:41:06: ja klar die Fehler kleiner werden, die man macht und dass man sich keine groben
00:41:12: Schnitzer gegen das Pferd erlauben kann oder möchte, aber dass man sich eben nicht
00:41:18: so sehr einschränkt, dass man überhaupt nichts mehr machen kann, dass man
00:41:22: überhaupt keine Freude mehr mit dem Pferd empfindet und das nur noch als Last
00:41:26: empfindet, weil man auf jegliche Bedürfnisse dass er versucht, Rücksicht zu
00:41:31: nehmen und dann irgendwann in dieser Teufelspirale hängt, dass einfach gar
00:41:34: nichts mehr geht, weil dann hat das Pferd husten und muss bewegt
00:41:38: werden und dann hat es aber zeitgleich eine Sehnenverletzung, weil du nicht
00:41:41: genug trainieren konntest und so weiter.
00:41:43: Dann hat es Übergewicht und das hängt so alles zusammen und man bekommt überhaupt
00:41:46: keinen Fuß mehr in die Tür, da irgendwie mal weiterzukommen, dass man sich da auch
00:41:50: mal traut, in Kauf zu nehmen, einen Tod zu sterben, sage ich mal, wenn es dem
00:41:56: Pferd im Gesamten aber vielleicht trotzdem wieder weiterhilft.
00:42:00: Ja, absolut.
00:42:02: Da gibt es, glaube ich, gar nichts mehr hinzuzufügen.
00:42:04: Das hast du sehr gut gesagt.
00:42:07: Und dafür ist die Folge irgendwie auch da gewesen, glaube ich, dass
00:42:10: man beide Seiten beleuchtet. Das ist ja sowieso unsere Idee.
00:42:14: Und ich hoffe, dass wir damit auch dem einen oder anderen vielleicht ein bisschen
00:42:17: Mut machen konnten, ein bisschen Ideen an die Hand geben konnten und
00:42:21: vielleicht auch mal zu der einen oder anderen Reflexion noch anregen konnten.
00:42:26: Danke fürs Zuhören bei dieser Folge von Psycholohü.
00:42:29: Wen sie dir gefallen hat, hinterlass uns doch eine positive Bewertung
00:42:32: und teile die Folge.
00:42:34: Wir freuen uns über Feedback, Themenwünsche und deine
00:42:36: Gedanken zum Thema.
00:42:37: Du findest Carina auf Instagram unter @begegnung_pferd und @carinaWarnstaedt.
00:42:41: Autorin.
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